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Biographie

400 Seiten (gebunden)
Ullstein

Erscheinungsdatum: 09.10.2008

ISBN: 9783550086977

Rezension von

Verfasst am: 18.10.2008

Bewertung:

  • 3/5 Sterne.

Ein Universalgenie: Joachim Kaiser!

In Ostpreußen geboren, nach dem Studium der Philosophie, Soziologie, Musikwissenschaften und Germanistik schon früh als Journalist gestartet, kann man Joachim Kaiser als einen der ungewöhnlichsten Universalgelehrten des letzten Jahrhunderts betrachten.

Er ist in einem gebildeten Elternhaus in Ostpreußen mit klassischer Musik aufgewachsen und kannte sich früh aus in der Musikwelt. Viele Werke konnte er selber auf dem Klavier spielen. Im Elternhaus verkehrten berühmte Musikergrößen der damaligen Zeit. Sein Vater war Arzt und in seiner Haltung eher konservativ. Er brach einmal ein kontroverses Gespräch mit dem Sohn über Politik mit der Bemerkung ab: “Weißt Du was, Sohnchen, lassen wir das. Spielen wir lieber eine Sonate.”
Wer in einem Klima mit derart liberaler Haltung und ästhetischem Bewusstsein aufgewachsen ist, dem sind die Götter gewogen. Joachim Kaiser hatte keine Hürden zu überwinden, als er schon in jungen Jahren zur Süddeutschen Zeitung stieß und später als dessen Feuilletonchef zu Anerkennung und Ansehen gelangte. Er war Musik-, Theater – und Literaturkritiker. Mit einer Besprechung über die “Philosophie der neuen Musik” von Theodor W. Adorno, die 1951 zunächst in den Frankfurter Heften erschienen war, hatten sich ihm für die Zukunft die Feuilletonredaktionen großer Zeitschriftenverlage geöffnet.
Seine Tochter Henriette Kaiser hatte bereits eine Dokumentation über ihren Vater mit dem Titel für das Fernsehen aufgezeichnet, als sie und ihr Vater vom Ullsteinverlag gebeten wurden, ein ähnliches Buch zu erarbeiten. Das Ergebnis liegt hier vor.
Zusammengesetzt aus Interviews, Gesprächen, Essays, Zeitzeugnissen und Artikeln von Joachim Kaiser, dazu eigenen Beobachtungen, Bemerkungen und Erinnerungen hat Henriette Kaiser ihren Vater porträtiert. Es ist auf diese Weise ein rundes, ehrliches und ansehnliche Bild dieses ungewöhnlich begabten, versierten, rundum gebildeten und quicklebendigen Mannes entstanden. Natürlich und bewundernd berichtet sie über ihren Vater, der keine Grenzen für sich zu kennen schien, dem alles gelang, der ein heiteres Gemüt und ein weites Herz hatte. Voll sprühender Geistesblitze legt er und sie beredt Zeugnis ab über ein erfülltes und breit angelegtes Lebenswerk. Gescheit, redegewandt und reaktionsschnell hat er sich zeitlebens im Kreise bekannter Dichter, Künstler und Gelehrter bewegt, die vielfach namentlich hier Erwähnung finden. Etwas salopp ist seine Bemerkung über “das gebildete deutsche Bürgertum, das die Nazis nicht mochte”, zu werten. Hier scheint ein Optimist zu walten, dem, wenigstens in dieser forschen Verallgemeinerung, die Ernsthaftigkeit abgeht.
Häufige Schulwechsel, Neuanfang in der Nachkriegszeit, berufliche Erfolge und persönliche Begegnungen bestimmen das Leben von Joachim Kaiser. Eine Überfülle an Fotos ergänzen den Lebensbericht, der einem Parforceritt durch sein Leben gleicht. Durch die Aneinanderreihung verschiedener Berichte, Briefe und Dokumente gerät zuweilen einiges durcheinander. Wenn vom Vater die Rede ist, weiß man nicht immer, ob es um den Vater Joachim Kaisers geht, oder ob Henriette gerade über ihren Vater spricht.

Das Buch ist als Dokument über die Welt der Künstler und Schriftsteller in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts amüsant und aufschlussreich, wenn auch ein wenig sorglos und ungenau in der Aufbereitung. Man liest es dennoch mit Vergnügen.

Migliedermeinung

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