Eden

von

Roman

Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama

944 Seiten (gebunden)
Diogenes Verlag AG

Erscheinungsdatum: 01.08.2008

ISBN: 9783257066388

Rezension von

Verfasst am: 27.10.2008

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Kann es ein richtiges Leben in falschen geben?
Eden,—das ist ein Ort, der an das Paradies gemahnen soll!
„Es gibt keinerlei Verzweiflung auf der Welt“, diese Worte von Rabbi Nachmann sind dem ersten Teil des vorliegenden Buches von Yael Hedaya vorangestellt.
Jeder weitere Abschnitt im Roman ist mit Worten der Weisheit aus der Bibel oder der Tora unterlegt.

Eden ist eine hübsche Siedlung vor den Toren Tel Avivs, in der sich Menschen zusammen gefunden haben, die dem israelischen Alltag mit seinen Nöten und Sorgen zu entkommen trachten.
Hier wohnen Dafna und Eli, Nina und Ruben, Alona mit ihren Kindern und ihrem Mann Mark und noch viele andere! Jeder hat sein Schicksal, und von jedem gibt eine Geschichte zu erzählen. So setzt sich der Roman aus vielen kleinen Romanen zusammen, die in Fortsetzungen erscheinen.
Dafna kann nicht schwanger werden und schaut voll Ingrimm auf Schwester und Schwägerin, die mit Kindern oder dicken Bäuchen gesegnet sind.
Ruben, der Klempner, hilft gerne aus—- bei Alona z.B., die seine Phantasie zu ungeahnten Freuden anheizt. Er hat seine Frau Rina erst spät geheiratet und nun, er ist jetzt 62, ist auch schon alles vorbei in ihrer Ehe.
Alona und Mark haben sich getrennt, obwohl ihre Kinder noch klein sind. Seit der Trennung verstehen sie sich wieder sehr gut, aber zusammen können sie nicht kommen! Er betreibt ein Restaurant, das sich zu einem außerordentlich beliebten Treffpunkt entwickelt. Seine Tochter Ronny lebt einmal bei ihm oder bei ihrer Mutter Jane, seiner ersten Frau, die in New York als Bildhauerin arbeitet. Ronny ist ein aufmüpfiger Teenager, der den Eltern häufig Sorge bereitet und ihre Geduld auf die Probe stellt. Sie raucht, trinkt und stürzt sich gerne in Affären mit älteren Männern, wozu auch der Anwalt Eli gehört, der sich mit derlei Abenteuern von dem ewigen Zeugungszwang mit seiner Frau Dafna erholen möchte.

In einem breit angelegten, ausufernden Epos kann man einzelne Figuren immer besser verstehen lernen. Es sind die Sorgen und Nöte aller Menschen auf dieser Welt, die sie bewegen: nach besseren Beziehungen, einem größeren Glücksempfinden, sexueller Erfüllung und einem friedvollen Zusammenleben. In langen Passagen ergehen sich die Protagonisten in Erinnerungen an Vergangenes und gehen in Gedanken ihren unerfüllten Wünschen, Träumen und der Sehnsucht nach einem zukünftigen Glück nach. Ronny und ihre Mutter Jane leben im Dauerstreit, bis ein unglückliches Schicksal sie wieder vereint.
Yael Hedaya ist Expertin in Liebesdingen. Ob sie von Ronny erzählt, die noch jung, leidenschaftlich und voller Erwartungen ist, oder von Ruben in seinem fortgeschrittenen Alter; ob sie von Mark erzählt, der nicht recht zu sich selbst finden kann oder von Alona, die sich als Lektorin mit einem Jungautor einlässt: alle haben ihre Geschichte, die Hedaya in feinen Fäden entspinnt und deren Gefühle die Seiten des Buches füllen.
Sie ist eine große Erzählerin, die ihren Figuren Leben einhaucht, als lebten sie unter uns. Alle diese ehemaligen Yuppies sind zu ansehnlichen Berufen gelangt und arbeiten an der Verwirklichung ihres persönlichen Glücks.

Doch „kann es ein richtiges Leben im falschen“ geben? Mit dieser Frage, die seit Adornos Wirken die Gemüter bewegt, lässt sich das Schlusskapitel umreißen. Denn das richtige im falschen Leben heißt entweder Hölle oder Paradies, keine Grautöne mit der Erde dazwischen. Und genau dieses Paradies kann man nicht haben, Erde bleibt Erde! Und die Realität holt uns alle, auch die Protagonisten in diesem Roman, ein!

Migliedermeinung

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