Die Literatur, eine Heimat

von

Erinnerungen

240 Seiten (gebunden)
DVA

Erscheinungsdatum: 01.09.2008

ISBN: 9783421043801

Rezension von

Verfasst am: 10.11.2008

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Hommage an einen großen Literaturkenner!

Das vorliegende Buch ist aus Reden zu Preisverleihungen und Ehrungen aller Art und ihren Erwiderungen darauf von und über Marcel Reich-Ranicki entstanden.
Ausgewählt und zusammengestellt von Thomas Anz finden sich Laudatoren, Festredner und Vortragende hier wieder, um MRR die Ehre zu erweisen. Es befinden sich Autoren, Verleger, Philosophen, Politiker und ein Unterhaltungskünstler wie Thomas Gottschalk darunter. Mit vielen guten Worten wird Reich-Ranickis Persönlichkeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet.

Die Ausführungen im Buch gehören in die Zeit nach 1999, als MRR mit seinem Buch „Mein Leben“ noch einmal in den Fokus der Öffentlichkeit trat.
Da stellt sich die Frage, wie ich als Internetredakteurin die Anmaßung besitzen kann, über dieses Buch zu berichten. Geht es doch um eine der bedeutendsten Literaturgrößen im deutschen Sprachraum der Nachkriegszeit überhaupt!
Ich kann es, denn ich habe ihn selber mehrfach life erlebt und konnte mich dem mitreißenden Enthusiasmus, mit dem er über Literatur spricht, nicht entziehen!

Nachdrücklich kommt in den Beiträgen zum Ausdruck, wie sehr der kulturelle Einfluss jüdischer Dichter und Denker in der Geschichte die deutsche Geistesentwicklung und das Denken geprägt hat, und wie dieser Geist durch die Nazizeit zerstört wurde. In einer Laudatio von Wolfgang Frühwald wird ausführlich dargelegt, wie wichtig, bedeutsam und prägend für Juden in Europa das Wort und die Schrift waren und sind: „Überleben durch das Wort, durch die Sprache, durch Literatur, diese Maxime gehörte zur jüdischen Kultur.“ Insofern erfährt der Titel „ Die Literatur, eine Heimat “ eine klare Definition als geographischer Heimatersatz.

Bei der Lektüre festigt sich der Eindruck, wie sehr Marcel Reich- Ranicki das literarische Leben in der BRD über ein halbes Jahrhundert mit gestaltet hat. Er war betroffen vom Historikerstreit und bedankt sich differenziert und im Detail bei dem Philosophen Jürgen Habermas, dem er den Rang einer intellektuellen und moralischen Instanz zuerkennt.
Die Reden sind von unterschiedlicher Qualität in ihrem Anspruchsniveau. Man staunt über die Geburtstagsrede von Thomas Gottschalk zum 85. Geburtstag von MRR. Da beweist der Meister der leichten Muse, dass man Understatement mit Witz, Humor, Bescheidenheit und Geist verbinden kann.

Zusammen genommen zeigen die Beiträge eine Lebensbilanz, die eindrucksvoll ist und Marcel Reich-Ranicki trotz seines gelegentlich streitbaren Auftretens allseits Ehre, Ruhm und Anerkennung eingebracht hat. Eine schönere Hommage an den Literaturpapst des 20. Jahrhunderts ist nicht denkbar!

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