Ich bin aus Holz

von

Roman

Aus dem Italienischen von Christiane Rhein

192 Seiten (gebunden)
C. Bertelsmann

Erscheinungsdatum: 10.11.2008

ISBN: 9783570010167

Rezension von

Verfasst am: 21.11.2008

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Mütter und Töchter,—ein Kapitel für sich!

Giulia hat Sorgen: der Kontakt zu ihrer Tochter Mia scheint ihr zu entgleiten. Ratlos hin und her gerissen zwischen Sorge und Verzweiflung, überschreitet sie in der Absicht, ihre Tochter besser zu verstehen, die Grenze der Diskretion und beginnt, Mias Tagebuch zu lesen!

Parallel dazu erzählt sie ihre eigene Lebensgeschichte.
Mit der schönen Parabel, dass es im Leben eines jeden Menschen einen Staudamm gibt, beginnt sie ihren Bericht. Auf der einen Seite ist da wildes Wasser, dass sich staut, auf der anderen festes Land. Mia erlebt ihre Mutter ohne Liebe und freudlos im Alltag versunken. „Ohne Liebe bist auch Du!“ruft sie der Tochter in Gedanken zu!
Zwischen den Generationen werden Gegensätze sichtbar, die mit aller Schärfe zutage treten. Giulia durfte als Kind und junges Mädchen wenig, musste um alles bitten und hatte zwei Schwestern, die sie bevormundeten. Sie war schüchtern und zurückhaltend. Ihre Tochter Mia dagegen verschwindet einfach über Nacht, macht erste Erfahrungen mit jungen Männern, ist selbständig und wirkt rücksichtslos, nüchtern und ablehnend.
Die Frauen zweier Generationen zeigen sich mit unüberbrückbarer Distanz und Sprachlosigkeit im Umgang.

In ihrem zweiten Roman berichtet Giulia Carcasi über eine Mutter, die sich in einem Strom von Gedanken ihrer eigenen Kindheit und Jugend nähert. Gehorsam und Anstand waren die Regeln in ihrer Familie. Eine Nonne, Schwester Sofia, weist ihr in ihrer Jugend einfühlsam und klug den Weg zum Glück. Doch Giulias Weg ist steinig, und führt sie nach kleineren Jugendsünden und Enttäuschungen in die Ehe mit einem viel älteren Kollegen, dem Arzt Andrea Rubini. Als Ärztin hat sie selber viel zu wenig Zeit, um sich mit ihrem Leben zu beschäftigen. Durch das Tagebuch der Tochter und in ihrer hilflosen Suche nach Nähe zu ihr erinnert sie sich an die eigenen Zeiten der Zweifel und Nöte, an die unerfüllt gebliebenen Liebeserwartungen,—und wir erfahren von einem streng gehütetes Geheimnis, das sie der Tochter mitteilen möchte.

Feinfühlig wird mit der Öffnung zur eigenen Vergangenheit eine Tür geöffnet, die auch zum Herzen der Tochter führen könnte. Zwei Frauen, Mutter und Tochter, Geheimnisse hier wie dort: gerade diese verbergen Gemeinsamkeiten, von denen beide nichts wissen. „Ich bin aus Holz„ ist der Titel der Geschichte; auch Holz aber kann weich werden!
Lebendig und erstaunlich realitätsnah hat G. Carcasi ihre Geschichte konzipiert. Enttäuschungen, nicht erfüllte Erwartungen und Eltern, von denen man sich fern und unverstanden fühlt, zeigen Konflikte, die sich über Generationen immer wiederholen. Familienleben als Ort steriler Lebensform ist kein ganz unbekanntes Phänomen. Die Autorin hat mit dem Plot ihrer Geschichte dieser Erkenntnis Rechnung getragen.

Carcasi schreibt engagiert, teilnehmend und verständnisvoll über die Nöte der beiden Frauen. Sie ist erst 24 Jahre alt und gilt als Starautorin in Italien. Sie lebt und arbeitet in Rom.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (1):

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Leserbewertung (2):

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