Loja

von

Roman

Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer

551 Seiten (gebunden)
Suhrkamp

Erscheinungsdatum: 13.10.2008

ISBN: 9783518420126

Rezension von

Verfasst am: 02.12.2008

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Erfahrungen in Israel und Leben nach dem Holocaust.

Loja Kaplan kehrt nach fast 27 Jahren nach Israel zurück. Sie hat das Haus des engsten Freundes ihres Vaters, der schon längst tot ist, geerbt. Davidi bildete früher in ihrer Jugend mit seinem Sohn Nachum, Loja und ihrem Vater eine seltsame Gemeinschaft. Wo waren die Mütter geblieben?

In einem ganz und gar assoziativen Stil, mit gleichsam frei schwebender Aufmerksamkeit geht Loja ihren Erinnerungen nach. Gerüche, Farben, Blumen, die Stille,—alles, was sie sieht und hört, bietet Anlass, darüber nachzusinnen und ihre Einfälle und Gedanken aufzuschreiben. Dabei verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart. Während man sich dem Strom der Bilder hingibt, entwirren sich einzelne Lebensstränge. Ehemalige und gegenwärtige Freunde und Freundinnen tauchen sporadisch auf und verschwinden wieder. Als Loja ehemaligen Freundinnen und Freunden nach ihrer Rückkehr in Israel wieder begegnet, tauchen die Gesichter aus früher Kindheit wieder auf. Die einen sind zu schönen, erfolgreichen Menschen geworden. Andere, vor allem ihre beste Freundin aus Kindertagen, Ora, ist ältlich und verbraucht. Sie hatte zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Nun ist die Schönheit, sind die Zukunftspläne und alle Glückserwartung vergangen!

Die Erzählung windet sich durch viele Episoden hin zu einem Ereignis, dass von einem spannenden Geheimnis zeugt.
Was hat die Väter von Nachum und Loja verbunden? Beide waren Historiker, beide forschten in der Antike und Davidi, der Onkel, klebte Scherben aus Ausgrabungen zusammen.

Loja gehört zur ersten Nachkriegsgeneration in Israel. Die fünfziger und neunziger Jahre sind es denn auch, welche die Autorin zu ihren atmosphärisch dichten Anschauungen verbindet. Zuerst lässt man sich von der Sprache einfangen, mit der sie Stimmungen, Gefühle und Wahrnehmungen wiedergibt. Gabriela Avigur-Rotem zieht in die Lebenssphäre eines Menschen hinein, der sich heimatlos fühlt. Loja ist vor ihrem Vater und aus Israel geflohen. Sie ist als Stewardess in der Welt herum gekommen, hat einmal hier und einmal dort gewohnt und hatte Liebesaffären, die aber nie von Dauer waren. Alle Beziehungen scheinen wie in einer fortlaufenden Wiederholung im Nichts zu enden.
Nach dem Tod des Onkels kommt Loja einem Geheimnis auf die Spur, das ihren Vater und seinen Freund Davidi verbunden hat. Wie durch einen Schleier nähert man sich einer Geschichte, die unmittelbar mit der Shoa zu tun hat.
Loja will die Vergangenheit aufklären und scheut sich doch vor dem Wissen.
Langsam, zögernd und immer wieder unterbrochen von Ausflüchten wird dem Geheimnis nachgegangen. Mit dieser Ausdrucksform wird das Unsagbare dezent und hintergründig erfahrbar. Abenteuerlich und von immer neuen Ereignissen erschüttert, bleibt die Spannung bis zuletzt erhalten.

Der Roman ist in seiner Aussage, im Stil und in der poetischen Feinheit äußerst diffizil und genügt höchsten literarischen Ansprüchen. Der komplexe Sachverhalt jüdischer Gegenwartsexistenz mischt sich mit der Geschichte des Holocausts, mit mythischen und dräuenden Aussagen von weisen Frauen, Erinnerungen vielfältiger Formen und Farben.

Ein außerordentliches Werk der Autorin, hoch gerühmt und mit Preisen bedacht wird der Roman als einer der besten der letzten Jahre in Israel empfohlen.

Migliedermeinung

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Leserbewertung (2):

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