Asche vom Amazonas

von

Roman

Aus dem Portugiesischen von

298 Seiten (gebunden)
Suhrkamp

Erscheinungsdatum: 01.08.2008

ISBN: 9783518420157

Rezension von

Verfasst am: 11.12.2008

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Brasilien zu Beginn der sechziger Jahre.
Im Kontrast zwischen arm und reich zeigen sich krasse Gegensätze. Wer im Wohlstand lebt, verteidigt diesen gegen die Armen. Die bedrohliche, rohe Macht der Reichen gegen die unterdrückten und ausgemergelten Armen ist überall spürbar. In diese Atmosphäre konträrer Lebensvoraussetzungen wurden zwei Jungen hinein geboren, Freunde von äußerst gegensätzlicher Natur.

In Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas in Brasilien, leben die Menschen, die in dieser Geschichte eine Rolle spielen: der reiche Jano, seine unwillige und geheimnisvolle Frau Alicia, ihr Sohn Raimundo und Olavo mit seinem Onkel und der Tante. Der Amazonas mit seinen Nebenflüssen bietet dem Vater von Raimundo reiche Ernten mit billigen Arbeitskräften und eine schöne Sommervilla, die man nach einer langen Schiffsfahrt auf dem Amazonas erreichen kann.
Raimundo, dessen Vater ein erfolgreicher Unternehmer und Freund der Militärregierung ist, lebt ganz im Gegensatz zu seinem Vater, denn er frönt in seinen Träumen und in seinen Lebensgewohnheiten den schönen Künsten. Seine Mutter fördert ihn in jeder Beziehung, der Vater aber ist erbost und wütend über den labilen und wenig gefestigten Sohn. Olavo, der zarte und beobachtende Außenseiter und Icherzähler der Geschichte, kommt aus ärmlichen Verhältnissen und gehört zu Raimundos bevorzugten Freunden. Olavos Herkunft bleibt zunächst verborgen. Er lebt bei seiner Tante und deren Bruder, einem ehemaligen Reporter, heute ein Tunichtgut und Faulenzer. Tante Ramira bringt Olavos Familie mit Näharbeiten durch.
In einem dramatischen Auf und Ab hört man von den Leidenschaften in den beiden Familiengeschichten, von ihren Verstrickungen in der Liebe und im Abscheu und vom fast tödlichen Kampf zwischen einem Vater und seinem Sohn.

Man fühlt sich sofort gefangen von dem hitzigen Klima, der wuchernden Natur, den protzigen Reichen und den armseligen Behausungen, in denen z. B. Olavo aufwächst. Das Gespür für den südamerikanischen Kontinent, der in ständigem Aufruhr mit gesellschaftlichen Umbrüchen und ungeordneten politischen Verhältnissen ein wechselvolles Völkergemisch beherbergt, wird hautnah erfahrbar. Raimundo ist der getriebene Held, der um seiner Kunst willen im Kampf mit dem Vater fast untergeht, um dann doch auf Europareisen seiner künstlerischen Berufung zu folgen.

Der Roman bestrickt durch überzeugende atmosphärische Stimmungsbilder mit vielfarbigen Gesellschaftsriten, einem allseits bemerkbarem Lebensrausch und fremdartigen Gewohnheiten. Man sieht sich mit dem rauen und lebendigen Feuer der Leidenschaften und mit einer lebenshungrigen Mentalität konfrontiert und erlebt maßlose Naturgewalten.
Ein spannender und grandioser Roman ist dem preisgekrönten brasilianischen Autor Milton Hamilton gelungen!

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