Der Cellist von Sarajevo

von

Roman

Aus dem Englischen von Georg Schmidt

240 Seiten (gebunden)
Luchterhand Literaturverlag

Erscheinungsdatum: 23.09.2008

ISBN: 9783630872797

Katja Krause
Rezension von

Verfasst am: 15.12.2008

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Ein berührender Roman, basierend auf einem wahren Ereignis, über die Sinnlosigkeit von Krieg und Zerstörung und die Kraft der Musik.

Obwohl es der Titel fälschlicherweise vermuten lässt, geht es weniger um die Geschichte des Cellisten von Sarajevo, als vielmehr um die von drei Bewohnern der Stadt, die während der Belagerung Sarajevos um ihr Leben bangen und kämpfen: Kenan, 40 Jahre, Ehemann und Vater von 3 Kindern, der immer wieder gegen seine entsetzliche Angst und Kraftlosigkeit ankämpfen muss, um für seine Familie und die undankbare Nachbarin Wasser zu holen – ein Spießrutenlauf, der ihn quer durch die Stadt treibt; Dragan, 64, ein einsamer Bäcker, dessen Frau und Sohn nach Italien geflüchtet sind und der sich seitdem von seinen Mitmenschen und dem Krieg, der um ihn herum wütet, abzuschotten versucht; Strijela, 28, die sich mit ihrem Gewehr der Verteidigung der Stadt verschrieben hat und sich mit moralischen Bedenken auseinandersetzen muss, die diese Tätigkeit mit sich bringt.
Getrennt voneinander und auf eindrucksvolle Weise werden die unterschiedlichen Lebenskreise dieser drei Personen ausgeführt, die stellvertretend für die gesamte Bevölkerung Sarajevos und deren tägliches Leid und die Gefahr, der sie ununterbrochen ausgesetzt sind, stehen. Die Figur des Cellisten verbindet hierbei nicht nur die drei Personen durch seine Musik miteinander, sondern bildet auch einen zeitlichen Rahmen, der den Bezug zu der real existierenden Person Vedran Smailovic herstellt, ein berühmter einheimischer Cellist, der an der Stelle, wo Granaten am 27. Mai 1992 um vier Uhr nachmittags 22 Menschen töteten, als sie nach Brot anstanden, in den folgenden 22 Tagen ein Adagio zu Ehren der Toten spielte.

Trotz der Berichterstattung über die Belagerung Sarajevos konnte man sich das Ausmaß an Zerstörung, Gefahren, Leid und Verzweiflung kaum angemessen vorstellen. Was dies für das alltägliche Leben der Menschen bedeutet, die in dieser Stadt gefangen waren, ringsherum umgeben von Heckenschützen auf den Bergen, die jederzeit einen beliebigen Menschen erschießen konnten, der nach langem Ringen versuchte, eine ungeschützte Straße zu überqueren, das bringt uns Galloway mit diesem Buch näher.

Das Reduzieren auf nur drei Hauptpersonen, deren Alltag über einen Zeitraum von nur wenigen Tagen beschrieben wird, bringt eine emotionale Dichte mit sich, der man sich als Leser kaum entziehen kann. Gleichzeitig gewinnt der Roman dadurch auch eine Form von Allgemeingültigkeit, durch die sich das Erzählte eben nicht auf einen bestimmten historischen Zeitraum und Ort eingrenzen lässt. Einzelschicksale dieser Art lassen sich wohl in jedem kriegserschütterten Gebiet finden.

Trotz des flüssigen Schreibstils sind die vielen ausführlichen geographischen Angaben über den Verlauf von Straßen oft etwas lästig und verwirrend. Der Gesamteindruck leidet allerdings kaum darunter. „Der Cellist von Sarajevo“ vereint in sich alles, was einen guten Roman auszeichnet: er ist spannend, sehr authentisch und unglaublich berührend – und somit auf jeden Fall empfehlenswert.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (2):

  • 4.5000/5 Sterne.

Leserbewertung (20):

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