Sehnsucht nach Elena

von

Roman

Aus dem Finnischen von Sandra Doyen

176 Seiten (gebunden)
Piper Verlag

Erscheinungsdatum: 27.02.2009

ISBN: 9783492052382

Rezension von

Verfasst am: 22.12.2008

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Kleine Kostbarkeit mit Anspruch

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bevorzuge normalerweise lange Romane, je mehr ein Buch in Richtung Wälzer geht, desto besser. Wie gesagt, normalerweise! Als ich die Leseprobe zu diesem doch recht kurzen Roman beendet hatte, war ich also nicht sonderlich begeistert, weder von den nicht über zwei Seiten hinausgehenden Mini-Kapiteln, noch von dem Sujet. Wen interessiert denn ein alleinstehender alter Mann, der nichts anderes mit seinem Lebensabend anzufangen weiß, als Tag für Tag einer jungen, völlig ahnungslosen Studentin nachzuspionieren. Ich war fest davon überzeugt, dass diese Geschichte kein gutes, geschweige denn zufriedenstellendes Ende nehmen könnte. Kampflos wollte ich das Feld jedoch nicht räumen und so las ich die Probe ein zweites Mal. Merkwürdigerweise gewann sie dabei an Substanz und mir fiel die sehr poetische Ausdrucksweise des Autors auf.

Nachdem ich nun das gesamte Buch gelesen habe, muss ich meinen ersten Eindruck völlig revidieren und bin aufs Angenehmste überrascht. In diesen knapp 150 Seiten steckt nämlich so einiges an sprachlicher Schönheit und Lebensweisheit. Die Geschichte über den einsamen Mann und seine heimliche “Sehnsucht nach Elena” entwickelt sich sehr bedächtig und leise. Als Leser tappt man ziemlich lange im Dunkeln, warum die männliche Hauptfigur geradezu besessen von der jungen Frau ist. Meine Vermutungen diesbezüglich trafen zwar fast ins Schwarze, dennoch hielt die Auflösung größere Überraschungen bereit. Ich war froh, nun doch etwas mehr über den Mann zu erfahren, den ich eine Zeitlang begleitet hatte, ohne auch nur seinen Namen genannt zu bekommen. Zum Glück hatte ich kein Buch über einen einsamen Perversen gelesen und alle bisherigen Handlungen ergaben plötzlich einen Sinn. Ich gehe hier mal nicht ins Detail, sonst ist der ganze Lesespaß dahin!

Das Buch ist leicht lesbar und präsentiert dem geneigten Leser viele schöne Gedanken über die Liebe, den Verlust geliebter Menschen und die verschiedenen Stadien der Trauerbewältigung. In diesem Zusammenhang spielen die vier Jahreszeiten mit den jeweiligen Veränderungen der Natur und die daraus resultierende Beeinflussung des Gefühlslebens der Menschen eine wichtige Rolle. Ich bin für kurze Zeit in dieser traumgleichen Schilderung einer Begegnung zwischen zwei sehr unterschiedlichen Welten und Lebenszeiten versunken und bin sehr geerdet und zufrieden daraus hervorgegangen. Einziger Wermutstropfen waren die doch etwas spärlich bedruckten Seiten, die das Buch wie eine kleine Mogelpackung erscheinen lassen. Angesichts des wertvollen Inhaltes sehe ich allerdings gern darüber hinweg.

Mein Fazit: Ein berührender, angenehm unaufgeregter und wunderbarer Roman, der mich noch lange beschäftigen wird. Joel Haahtela hat ein kleines Juwel geschaffen, dem hoffentlich noch viele folgen werden. Also unbedingt kaufen, ein ruhiges Plätzchen suchen und mit allen Sinnen genießen!

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (12):

  • 4.6667/5 Sterne.

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