Easter Parade

von

Roman

Aus dem Amerikanischen von Anette Grube

304 Seiten (gebunden)
DVA

Erscheinungsdatum: 01.02.2007

ISBN: 9783421042613

Rezension von

Verfasst am: 01.01.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Mittelstand und Armut in Amerika, ein Kampf gegen den Untergang.

Dieser Roman spielt in Amerika in den dreißiger Jahren. Die Familie Grimes, Mutter, Vater und zwei Töchter, ist nach der Scheidung der Eltern auseinander gefallen. Sarah und Emily, fünf und neun Jahre alt, leben mit ihrer schwachen und leicht verdrehten Mutter zusammen, die wenig Halt bietet. Der Vater, ein verkrachter Journalist, kümmert sich gelegentlich um die Töchter, bleibt aber ein ferner Held in ihren Augen.
Die schöne Sarah heiratet in noch jungen Jahren einen einfachen Mann und bekommt nach einander drei Söhne. Sie lebt friedlich und unbeschwert und scheint einigermaßen glücklich zu sein.

Emily, die jüngere der beiden Schwestern, lebt das interessantere Leben. Sie studiert Anglistik und entwickelt sich zu einer kritischen und aufgeweckten jungen Frau. Ihre Männergeschichten sind legendär und frustrierend. Nach einer kurzen Ehe mit einem neurotischen und intellektuellen Mann pendelt ihr Leben zwischen Vakuum und Aufregung.

Richard Yates versteht es, das Milieu der kleinen Leute mit ihrem Überdruss, der Langeweile und dem ewig gleichen Einerlei heraufzubeschwören. Illusionen zerplatzen, und der Alltag holt die Mutter der beiden Schwestern mit Alkohol und Wehleidigkeit ein. Bei Sara verkümmern mögliche gute Anlagen im Hausfrauendasein und in der Kinderaufzucht. Ohne wirkliche Anregung bleibt ihr Leben auf der Strecke.

Emilys Leben fesselt zunächst über lange Passagen mit der Hoffnung, dass ihr der Durchbruch aus der kleinen und engen Herkunft gelingen könnte. Sie wirkt stoisch, neugierig und zu immer neuen Anläufen für einen Lebenswechsel aufgelegt. Ob es ihr gelingen wird?
Neugierig und mit Anteilnahme folgt man den einzelnen Lebenswegen. Die Atmosphäre ist so realitätsnah ausgeleuchtet, dass man atemlos auf den Fortgang der Geschichte wartet.
Fast riecht man den muffigen Geruch in alten, abgenutzten Wohnräumen, hört den Straßenlärm, sitzt in unruhigen Kneipen und sehnt sich mit den Protagonisten nach einem Leben mit etwas Glück und Wohlbehagen.
Ungemein nahe am Leben schreibt Yates über die Menschen, mit denen er im Herzen mitfühlt, ohne die kritische Distanz bei der Analyse der Lebensverhältnisse aufzugeben.
In hervorragendem Ton naht er sich den Schicksalen, die am Ende immer trauriger und hoffnungsloser auf einen trostlosen Kulminationspunkt zusteuern. Mit den letzten Sätzen im Roman bezeugt Yates noch seine brillante Beobachtungsgabe, in dem er einen Charakterverfall dem stabilen Bild eines jungen Menschen gegenüber stellt.

Mit unbestechlichem Blick zeigt R. Yates eine Gesellschaft, in der Unabhängigkeit, Stärke und Schönheit über den Erfolg im Leben mit bestimmen. Insofern liefert er eine der vielen gelungenen Gesellschaftsstudien, mit denen sich besonders amerikanische Autoren Ruhm und Ehre erwerben.

Migliedermeinung

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