Zeit der Geborgenheit

von

Roman

Aus dem Englischen von Chris Hirte

420 Seiten (broschiert)
dtv

Erscheinungsdatum: 01.07.2008

ISBN: 9783423246613

Rezension von

Verfasst am: 03.01.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Eine lebenslängliche Freundschaft in guten wie in schlechten Tagen

Aus dem Westen Amerikas hat es Sally und Larry Morgan Mitte der dreißiger Jahre nach Madison, Wisconsin, verschlagen. Larry hat eine befristete Dozentur an der Universität erhalten, eine der letzten, denn man schreibt das Jahr 1937, und es herrscht wie überall die große Wirtschaftskrise.

Sie sind arm, glücklich und voller Pläne und Erwartungen.
Noch haben sie keine Freunde, als sie die Bekanntschaft von Sidney und Charity Lang machen. Diese beiden sind wohl bestallt, entstammen dem amerikanischen Ostküstenadel und strahlen einen unwiderstehlichen Charme aus. Eine lange und enge Freundschaft nimmt ihren Anfang.

Inzwischen sind vierzig Jahre vergangen, und Larry und Sally besuchen die Langs in Wisconsin. Mit Erinnerungen an die schönen und wunderbaren ersten gemeinsamen Jahre, die Larry bei diesem Besuch überfallen, eröffnet Stegner eine Freundschaftsgeschichte, die voller Charisma und großartiger Individualität erscheint. Sidney und Charitiy waren den beiden Neulingen sehr gewogen, und schon bald verband alle vier eine enge Freundschaft, die ein Leben lang hielt.
Es waren ungleiche Paare, denn Sid und Charity haben aufgrund ihres Reichtums keine finanziellen Sorgen, während Larry sich mühsam eine Existenz erkämpft. Mit liebevoller Hingabe unterstützen Sid und Charitiy die beiden in jeglicher Form.
Wie im Paradies kommen sie sich bei ihren Wanderungen, gemeinsamen Unternehmungen und in ihrer gegenseitigen Freundschaft vor. Die Zeiten aber sind rau. Man kämpft um Universitätsdozenturen oder gar Professuren. Der Ehrgeiz Charitys für ihren Mann kennt keine Grenzen. Gelegentlich werden Risse im Paradies sichtbar, wenn die Beziehung zwischen Charity und Sid kleine Brüche aufweist.

Stegner lässt bei seinem Rückblick auf das Leben der vier Freunde nichts aus. Glück und Unglück liegen nahe bei einander. Eine ganze Generation liegt zwischen dem Anfang und dem Ende der Geschichte. Von der hoffnungsvollen Zukunftserwartung bis zur Wandlung in die Gegenwart und zum Tod reicht die Palette der Lebensgeschichten, die auch Enttäuschungen und zerstobene Glücksvorstellungen berührt. Anrührend und teilnehmend, als berührten sie das eigene Leben, sieht man, wie sich die Geschicke der vier Protagonisten verändern und wie alles vergeht.

Stegner ist ein großartiger Autor amerikanischer Gesellschaftsgeschichten. Mit teilnehmendem Blick analysiert er das Ergehen seiner Figuren, gibt ihnen Lebendigkeit, Frohsinn und die notwendige Empfindsamkeit bei unerwarteten Schicksalsschlägen. Anschaulich und berückend sind die schönen Landschafts- und Stimmungsbeschreibungen, die das Leben und die Taten der vier Freunde bereichern. Der von uns Europäern als „american way of life “ zu beschreibende Lebensalltag begeistert den Leser.

Dieser Roman ist der letzte von Wallace Stegner. Er ist intensiv, gefühlvoll und von ausgeprägtem Verständnis und kluger Beobachtungsgabe für die Unterschiedlichkeit menschlicher Verhaltensweisen. Man vertieft sich in die Geschichte und vergisst die Gegenwart!

Migliedermeinung

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