Nahe Tage

von

literarische Biographie

152 Seiten (gebunden)
Wallstein Verlag

Erscheinungsdatum: Januar 2005

ISBN: 9783892449270

Rezension von

Verfasst am: 04.01.2009

Bewertung:

  • 3/5 Sterne.

Eine Bestandaufnahme

Wohl jeder erlebt eines Tages den Tod eines Angehörigen.
Johanna beschreibt hier in Nahaufnahme ihre Empfindungen beim Tod der Mutter.

Sie ist etwa vierzig Jahre alt, als ihre Mutter stirbt. Sie sieht die Tote, nimmt ihre Sachen in Empfang und beschäftigt sich mit ihrer Wäsche. Unsinnige Dinge drängen sich im Beschäftigungsfieber auf, weil der Tod erst einmal Ratlosigkeit auslöst.
Dann aber folgt eine lange Reflexion über das vergangene Familienleben. Und da ging es wahrlich schrecklich zu! Vater, Mutter Großmutter und Kind lebten über lange Jahre zusammen in kleinen Wohnungen mit vielen Umzügen, einem depressiven Vater und einer alles dominierenden Mutter. Diese hatte sich ihr Leben eingerichtet und sich die Tochter gemacht, und sie bestimmte, wie das Leben zu laufen hatte. Die Tochter merkt erst bei der Rückschau, wie lieblos und selbstbezogen die Mutter über den Lebensstil und die Gewohnheiten befunden hatte. Für niemanden blieb da viel Raum zu einer eigenen Entwicklung.
Alles in Allem ist es eine trostlose Lebensbilanz. Dass die Mutter nicht klug genug und zu einfach war, um die Folgen ihres Handelns zu bedenken, bleibt ungesagt. Hier geht es alleine um eine Tochter, die endlich begreift, wie sie um alles Glück der Kindheit und eines freien Heranwachsens gebracht wurde. Genau beschreibend und nachgerade sezierend ist das Bild, das sie von ihrer Kindheit entwirft, grau in grau und in starren Regeln fest gelegter häuslicher Vorgaben verhaftet.

Es geht in diesem Buch um Erinnerungen, die der Tod auslöst. Und diese müssen nicht immer von Glück erfüllt sein; sie können auch, wie in diesem Bericht, eine ernüchternde und deprimierende Bilanz darstellen. Leben verlaufen gelegentlich in einem trostlosen Einerlei, ohne Fröhlichkeit, Zuversicht und Freude. Dass man dieser Stimmung Ausdruck zu geben vermag, das ist der Autorin gelungen.

Migliedermeinung

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