Familienangelegenheiten

von

Roman

Aus dem Amerikanischen von Uli Aumüller

320 Seiten (gebunden)
Piper Verlag

Erscheinungsdatum: 01.02.2008

ISBN: 9783492051408

Rezension von

Verfasst am: 06.01.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Leben und Schicksale einer buchstäblich vielfarbigen amerikanischen Familie!

Einst war Bernard Doyle Bürgermeister von Boston!
Er hatte eine liebenswerte Frau und einen Sohn. Zu ihrem Glück fehlten nur noch weitere Kinder, auf die sie vergeblich hofften. Stattdessen schlug das Schicksal mächtig zu und vereitelte alle guten Hoffnungen. Bernadette stirbt und lässt ihren Mann mit drei verwaisten Söhnen zurück!

In zarten, poetischen Farben eröffnet die Autorin Ann Patchett ihre Familiengeschichte mit einem ungewöhnlichen familiären Ritual: es gibt ein bezaubernde Statue, die der verstorbenen Bernadette ähnelt. Die Figur ist mit einer ganz eigenen Familienlegende verbunden. Nach dem plötzlichen und frühen Tod Bernadettes fordern ihre Schwestern vom Ehemann die Statue zurück, weil diese seit Generationen immer nur an die Töchter der Familien weiter vererbt wird. Die Verstorbene hat jedoch nur Söhne hinterlassen und keine Tochter! Ihr junger Witwer Bernard Doyle verweigert die Rückgabe mit aller Entschiedenheit.

Mit der feinen Anspielung auf die hübsche und entzückende Bernadette, die irischer Herkunft war, bekommt man Einblicke in das Leben eines Paares, das nach einem ersten Sohn vergeblich auf weitere Kinder hoffte. Als diese sich nicht einstellen wollten, adoptierten sie zwei farbige kleine Jungen, Brüder nach ihrer Herkunft, die zu stattlichen Söhnen heran gewachsen sind.

Was es aber mit der Familiengeschichte auf sich hat, das wird langsam und gleichsam wie ein Faltblatt allmählich aufgefächert.
Bernadette starb so früh, so dass die farbigen kleinen Jungen weitgehend vom Vater groß gezogen wurden. Bernard Doyle hat sie selbstlos, liebevoll, fürsorglich und nach seiner Meinung auch liberal aufgezogen. Er hängt abgöttisch an ihnen. Sie sind ihm ergeben und möchten doch ihren eigenen Weg gehen. Teddy tendiert zu einem Onkel, der Priester ist, und sein ältere Bruder Tips ist ein leidenschaftlicher Erforscher der Unerwasserwelt geworden. Der eine ist verträumt, der andere klug und schnell im Denken.
Sullivan aber, der älteste und einzige leibliche Sohn, trägt ein Geheimnis mit sich, das er erst in einer stillen Stunde der Mutter der beiden farbigen Brüder, die eines Tages auftaucht, erzählen kann.

Autounfälle spielen eine seltsam verbindende und aufdeckende Rolle in dem Familienclan, und der Tod hat überall seine Hände im Spiel. Die Fäden der jeweiligen Zugehörigkeit einzelner Familienmitglieder entwirren sich erst langsam und bieten anhaltende Spannung bei ihrer Enträtselung.

Reichtum, Armut, Verstrickung in Schuld, das Leben der Farbigen und Weißen in Amerika, politische Ambitionen des Vaters und die Wege seiner Söhne bilden ein aufregendes Verhaltensgemisch. Das Buch handelt von ungewöhnlichen Schicksalen, und wie sie mit einander verknüpft und geheimnisvoll verbunden sind und auf magische Weise zur Aufklärung gelangen. Dass zuletzt noch eine Tochter als Erbin für die Statue auftaucht, macht die Geschichte fast zu einem Thriller.

Der Roman hält, was er von der ersten Zeile an verspricht: gute, anspruchsvolle und spannende Unterhaltung mit einem verwirrenden und außergewöhnlichen Familienszenario!

Patchett ist eine mit vielen Preisen ausgezeichnete amerikanische Autorin, die eine Entdeckung wert ist.

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