Als wäre alles erst gestern gewesen

von

Roman

Aus dem Spanischen von Susanna Mende

260 Seiten (gebunden)
Rotpunktverlag

Erscheinungsdatum: 26.08.2008

ISBN: 9783858693754

Rezension von

Verfasst am: 21.01.2009

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Beschauliche Kindheitserinnerungen mit dramatischen Höhepunkten

In einem Land in Südamerika, fernab ihrer Heimat, erinnert sich Agata an ihr Kindheit. Sie wurde 1911 in Italien geboren und ist nun in Argentinien längst Großmutter. Kindheitserinnerungen drängen mit Macht in ihr Bewusstsein.

Sie wurde in einem kleinen Ort am Lago Maggioro geboren, wo sie viele Jahre ihrer Kindheit verbracht hat. Die Familie lebte im italienischen Teil des Tessins. Mit schönen eindrucksvollen Bildern beschwört der Autor die Landschaft herauf mit dem blauen See, den weiten Ausblicken und den im Winter Schnee bedeckten Bergen. Überschattet wurde die Kindheit des Mädchens durch die unerklärliche Krankheit der Mutter, die bis zu ihrem Tod neun Jahre nach der Geburt Agatas bettlägerig war. Aus den Augen eines Kindes schaut man die Landschaft und hört von geheimnisvollen Mächten, die des Nachts in der Gegend geistern. Natürlich war es nicht leicht, ohne Mutter und nur mit dem Bruder und einem schwer arbeitenden Vater aufzuwachsen. Tanten kümmern sich, und Aufenthalte in Waisenhäusern oder Klosterschulen bringen Kümmernisse und Heimweh mit sich. Zuletzt erbarmt sich die Patentante Elsa und entschließt sich zur Heirat mit dem Vater.
Eine ärmliche, träumerische und heimelige Kindheit ersteht aus dem Blick der inzwischen alten Agata und lässt uns teilnehmen an einem Leben zwischen Armut, Verlassenheit und doch Zugehörigkeit zu einer Dorfgemeinschaft mit freundschaftlichem Zusammenhalt. Der Lebenslauf Agatas vollzieht sich unter der Obhut mehr oder weniger lieber Menschen, die alle sehr früh sterben.
Am Himmel ziehen dräuend die ersten Wolken des Faschismus herauf. Ängstlich und besorgt stimmen die Zeichen von unerwarteten Überfällen auf die Männer des Dorfes.

Nach Agatas unspektakulärer Heirat und Familiengründung zeitigt der zweite Weltkrieg mit seinen unsäglichen Folgen das Geschehen. Im Grenzgebiet zwischen Italien und der Schweiz ereignen sich Verhaftungen, Schikanen, Kollaboration und das Ende der furchtbaren Zeit. Diese Schilderungen machen das Buch zu einem eindringlichen Zeitdokument.

Wie ein Leben aus der Armut eines kleinen Dorfes in Italien bis ins ferne Argentinien führt, dass vollzieht sich vor den Augen des Lesers in langsamen und poetisch einfachen Bildern. Der ruhige Fluss der Zeit hat die Erinnerung an vergangene Tage nicht löschen können. Überschaubar folgt man dem Schicksal der Protagonistin, die ihren Weg trotz aller Widrigkeiten gemacht hat.

Dal Masetto beschreibt in warmen Tönen, ehrlich und leicht melancholisch einen Lebensweg, der sich möglicherweise an die eigene Familiengeschichte anlehnt. Er ist selber 1938 in Italien geboren und später mit der Familie nach Argentinien ausgewandert.

Migliedermeinung

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