Palast der Erinnerungen

von

Roman

Aus dem Amerikanischen von Judith Schwaab

304 Seiten (gebunden)
Droemer

Erscheinungsdatum: Februar 2006

ISBN: 9783426197134

Rezension von

Verfasst am: 28.01.2009

Bewertung:

  • 3/5 Sterne.

Lebenserschütterungen durch Krieg und Flucht und Terror.

Marina und Dimitri sind zwei alte Leute, die aus der Sowjetunion stammen und ein langes Leben hinter sich haben. Marina ist vergesslich und stellt Dimitri ständig Fragen: was sie jetzt z. B. unternehmen werden, zu wessen Hochzeit sie gehen, oder ob sie das richtige Kleid trage usw. Dimitri antwortet geduldig, hilft ihr beim Ankleiden und kümmert sich liebevoll um sie.
Nicht immer konnten sie sich so um einander kümmern!

1941 war Marina in Leningrad in der Eremitage beschäftigt, wo sie die kostbaren Kunstschätze, Bilder, Porzellan und Skulpturen zu verpacken half. Hitler hatte Russland den Krieg erklärt, und es galt, die Kunstschätze in Sicherheit zu bringen.
Dimitri ist zu der Zeit Student der Literaturwissenschaften und verpflichtet sich gerade freiwillig zum Kriegsdienst.

In einem vagen Hin und Her der Erinnerungen kann sich Marina vor allem an eines genau erinnern: an die Frau im blauen Kleid auf einem Gemälde des Malers Thomas Gainsborough. Nach und nach kommen immer mehr Erinnerungen an die wundervollen Kunstschätze, die das Herz der jungen Museumsführerin damals beglückten.

Heute leben die beiden Alten in Amerika, haben Kinder und Enkelkinder, von denen Marina kaum noch die Namen behalten kann. In ihrer Demenzerkrankung verwischen die Grenzen zwischen ihrem früheren und dem heutigen Leben. Ängste und Verwirrtheit nehmen ihr und der Familie die gewohnten Freiheiten.

Debra Dean bietet einen Jahrhundertrückblick, in dem der begeistert begonnene Lebensweg der damals so jungen Protagonisten durch Krieg, Hunger und Verzweiflung aus allen glückseligen Erwartungen gerissen wurde. Marina entkommt dem Hungertod in der belagerten Stadt Leningrad nur knapp. Ihr abenteuerlicher Weg führt sie mit deutschen Offizieren nach München, wo sie Dimtiri nach dem Krieg wieder findet. Sie schlagen sich nach Amerika durch, und hier bleiben sie für den Rest ihres Lebens. Die Erinnerung an all’ das Vergangene aber bleibt.

Debra Dean hat sich eine große Aufgabe vorgenommen: der Krieg in Russland, Leiden und Hungertod in der belagerten Stadt Leningrad, die Wiedervereinigung des jungen Paares, und ihr Leben im fernen Amerika. Die Kontraste in den Lebensphasen, die Kunst als Tröstung für entgangenes Leben: hier ist alles vereint, was einem Roman Spannung, Dynamik und die nötige Dramatik verleiht.

Man liest den Roman mit Aufmerksamkeit für die einzelnen Themen, die angesprochen werden. Nebenbei erahnt man das Leiden, mit dem der zweite Weltkrieg und das Stalinregime in Russland bei den Menschen tiefe Wunden an Leib und Seele hinterlassen haben.
Der Roman erfasst den Krieg und seine zerstörende Kraft in den Erinnerungen der demenzkranken Marina sehr genau und vermittelt ein verstörendes Bild der grausamsten Zeiten des letzten Jahrhunderts.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (1):

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Leserbewertung (3):

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