Gargoyle

von

Roman

Aus dem Englischen von Eike Schönfeld

576 Seiten (gebunden)
Bloomsbury Berlin

Erscheinungsdatum: 31.01.2009

ISBN: 9783827007827

Rezension von

Verfasst am: 12.02.2009

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Leben zwischen Wahn und Wirklichkeit!

Der Icherzähler des vorliegenden Romans hatte einen beinahe tödlichen Autounfall und ist bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Mit erschreckenden Detailkenntnissen ausgestattet lässt uns der Autor Andrew Davidson die Erfahrungen seines Helden auf der Verbrennungsstation eines Krankenhauses miterleben. Seine Schmerzen und seine Verunstaltung wirken echt und Angst erregend. Verständlich, dass er sich für das Ende seiner Krankenhaustortur vorstellt, wie er endgültig und unwiederbringlich seinen Freitod angehen will.

Ironischerweise war er vor seinem Unfall ein sehr schöner Mann, der nach einer verlorenen Kindheit als Pornodarsteller und später sogar Produzent dieser delikaten Produkte fungierte.

Eines Tages erscheint ihm in seinen unendlich sich dahin ziehenden Leidenstagen eine schöne Frau, die sich als Person ausgibt, die schon vor siebenhundert Jahren gelebt hat. Marianne Engel scheint aus der psychiatrischen Abteilung entschlüpft zu sein. Sie erzählt ihm von einem Gargoyle, einer Art Drachen, und berichtet von ihrem Vorleben vor vielen hunderten von Jahren. Mysteriöse Vorstellungen aus der religiösen Opferwelt beflügeln ihre Gedanken und Aussprüche. Mit ihren Besuchen und kurzweiligen Erzählungen aus dem angeblich gemeinsamen Leben im klösterlichen Mittelalter wird das Leben für den verbrannten Helden allmählich erträglicher.
Zwei weitere Frauen, Dr. Edwards, die behandelnde Ärztin, und die japanische Physiotherapeutin Sayuri umgeben den Helden dieser absonderlichen Geschichte sehr liebevoll.
Als er nach Monaten entlassen werden soll, nimmt ihn Marianne Engel zu sich. Sie ist Bildhauerin und Besitzerin eines ansehnlichen Vermögens.

In diesem Zeit und Raum übergreifenden Roman soll es um die Liebe in ihrer reinsten Form gehen. Das Schicksal des Helden mit seinem Vorleben und zynischen Lebensstart steht in heftigem Kontrast zu seinem angeblichen Leben als Söldner im Mittelalter, an den sich Marianne Engel zu erinnern glaubt. Die mittelalterlichen Geschichten prallen recht unvermittelt in den Tagesalltag aus Leid und schmerzensreichen Behandlungsvorgängen. Langsam wandelt sich der überhebliche einstige Beau, der äußerlich zu einem Monster mutiert ist, zu einem Menschen, der sich innerlich nachdenklich mit Lebensfragen auseinandersetzt. Dass sich ein Leidender über jede Abwechslung freut und zarte mitmenschliche Verbindungen knüpft, ist recht glaubhaft. Mit den alten Geschichten hingegen bekommt die Erzählung einen Geschmack von Übersinnlichem. Allerdings gelangt man bald zu der Überzeugung, dass Marianne Engel mit ihrer Schizophrenie zu irrsinnigen Handlungen und Fantasiebildern neigt.

Die Verbindung von der Gegenwart zu den magischen mittelalterlichen Szenarien kann als ungewöhnliches Sujet angesehen werden. Man kann sich den Träumen von einer fernen Welt überlassen und Schlüsse für die Gegenwart ableiten. Wer sich für fantastische Welten und übersinnliche Vorgänge begeistert, dem wird dieses Buch viel Vergnügen bereiten. Das Debüt des jungen Andrew Davidson ist sicher Bestseller verdächtig!

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (2):

  • 4.0000/5 Sterne.

Leserbewertung (9):

  • Momentan 4/5 Sterne.

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