Macho Man

von

Humor

288 Seiten (broschiert)
Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 27.02.2009

ISBN: 9783462040203

Rezension von

Verfasst am: 24.02.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Wie wird man ein Macho Man?

In diesem Buch können wir es lernen: wie man ein Macho Man wird!

Daniel ist der achtundsechziger Generation entsprungen: sein Vater, ein Germanistikprofessor, und seine Frau haben ihren Sohn liberal und offenherzig erzogen,—und zu einem höflichen und freundlichen Burschen gemacht.
Jetzt sucht der Dreißigjährige in der Türkei Trost, nachdem ihn seine Freundin verlassen hat, weil er ihr zu unmännlich vorkam. Und hier in seinem Touristikhotel vergeht ihm Hören und Sehen! Er lernt Aylin kennen und verliebt sich sofort in die junge Türkin, die in seinem Hotel als Animateurin arbeitet. Was aber findet sie nur an ihm?

Bald schon zeigt sich, dass seine weiche Wesensart, seine Höflichkeit und Zurückhaltung für sie etwas ganz Besonderes ist: kennt sie doch nur die türkischen Männer, deren Lebensformen ganz anderen Gesetzen folgen. Um in der Türkei als Mann bestehen zu können, muss man erst einmal lernen, ein > Macho Man < zu werden: herrisch, überheblich Frauen gegenüber, bestimmend und immer Überlegenheit bezeugend.

Hier also lernt Daniel, wie sich ein türkischer Mann aufführt: in der Liebe, im Restaurant und bei allen kleinen Alltagsbegebenheiten. Aylin aber findet ihn gerade seiner Schüchternheit wegen süß,—und bringt ihm belustigt die Unterschiede zwischen deutschen und türkischen Männern bei.

Im Ton dem heutigen Jugendjargon angepasst unterhält sich Daniel mit seinem Freund Mark, der ebenfalls als Animateur arbeitet. Als dieser erfährt, dass Aylin sich mit Daniel eingelassen hat, kann er es nicht fassen! Sie ist doch sonst so unnahbar!

Nun, wir werden dem Schicksal von Daniel und Aylin auf der Spur bleiben! Besseres und amüsanter und anschaulicher kann man nicht über die kulturellen Unterschiede im Umgang zwischen den Geschlechtern deutscher und türkischer Herkunft lernen!

Nicht nur darum aber geht es, sondern auch um die Folgen einer Erziehung, die sich die achtundsechziger Generation ausgedacht hat.

Der Kabarettist und Comedy-Autor vieler bekannter Fernsehsendungen Moritz Netenjakob hat mit seinem Roman über türkische und deutsche Sitten einmal mehr bewiesen, wie man auf komische Weise verschiedene Welten karikieren kann,—und die Folgen der antiautoritären Erziehung werden gleich mit aufs Korn genommen! Die Inkarnation einer verunsicherten Männergeneration persifliert Netenjakob mit seinem Helden Daniel auf höchst unterhaltsame Art und Weise. Er zeigt Witz und Können, wenn er mit einem Seitenblick auf vergangene Jahrhunderte einen leicht romantischen Seitenblick auf Briefe der Romantik im Vergleich zu heutigen SMS Schreiberlingen riskiert.
Die Telefongespräche zwischen den türkischen Familienmitgliedern sind von absoluter Komik, weil in ihnen versteckte Kulturkritik enthalten ist über die Null und Nichtigkeit vollkommen unwichtiger Mitteilungen,—und diese Kritik lässt sich wohl fast auf alle Kulturen mit Handykomfort anwenden!

Ich habe selten in letzter Zeit bei der Lektüre eines Buches so laut lachen müssen!
Zuletzt aber ist Moritz Netenjakob einmal aller Moderne zum Trotz eine der zauberhaftesten Liebesgeschichten der letzten Zeit mit diesem Romandebüt gelungen!

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (1):

  • 5.0000/5 Sterne.

Leserbewertung (12):

  • Momentan 3/5 Sterne.

Ihre Bewertung:

  • Momentan 0/5 Sterne.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5