Der Fliegenpalast

von

biographischer Roman

176 Seiten (gebunden)
Residenz Verlag

Erscheinungsdatum: 01.01.2009

ISBN: 9783701715107

Rezension von

Verfasst am: 26.02.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Hommage an einen vergangenen Dichter!

Walter Kappacher, der stille, nachdenkliche und ruhige unter den heute lebenden Autoren, hat sich in dieser kleinen Erzählung einmal des Dichters Hugo von Hoffmannsthal angenommen. Dieser galt als einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschsprachigen Fin de Siècle und der Wiener Moderne.

Kappacher trifft ganz den elegischen Ton, in dem H. sich mit Mitte fünfzig in Bad Fusch an frühere Urlaube mit seinem Vater erinnert. Er sucht hier im Jahr 1924 Ruhe und Zeit zur Kontemplation. Der erste Weltkrieg ist verloren, was den Patrioten H. tief erschüttert hat, denn mit dem verlorenen Krieg war der Untergang der Donaumonarchie besiegelt. H. gehörte zu den konservativen Geistern seiner Zeit.

In einem langen Monolog ergeht sich H. in Selbstzweifeln, und ängstigt sich vor schöpferischem Leerlauf. Hierüber korrespondiert er mit Freunden und seiner Frau Gerty, die zu dieser Zeit in Altaussee mit ihren Söhnen Ferien macht.

In den zehn Tagen seines Aufenthalts in Bad Fusch wollte er zur Ruhe kommen und Muße für seine Arbeit finden. Dabei lernt er den jungen Arzt Sebastian Krakauer kennen, in dem er einen Seelenverwandten vermutet. Doch dieser steht in Diensten einer wohlhabenden Baronin, die in eifersüchtig mit Beschlag belegt. So fühlt sich H. doppelt einsam, denn alte Weggefährten und Kollegen leben fast auch nur in seiner nostalgischen Erinnerung in ihm fort. Viele bekannte Dichternamen tauchen auf, die seinen Lebensweg kreuzten.

Kappacher fühlt sich tief ein in die Seele des Zweiflers und Grüblers Hoffmannsthal. Mit seinen Beschreibungen von Land und Leuten und den Stimmungen, die Hoffmannsthal plagen, eröffnet er Einblicke in das Seelenleben eines Dichters, der berühmt und erfolgreich war. Er schrieb Romane, Theaterstücke und Libretti, von denen das bekannteste das zum Rosenkavalier ist. Schon in seiner Jugend neigte der Dichter zu Einsamkeit und Nostalgie.
In den Briefen an seine Frau schwärmt er von einer kürzlich erfolgten Sizilienreise, von deren Eindrücken er sich noch lange angerührt fühlt und äußert die Hoffnung auf weitere schöne gemeinsame Reisen. Neben dem Innenleben des Dichters bekommt man ein Gespür für den Reiz vergangener Kurortlandschaften, die mit den prächtigsten Landschaftsbeschreibungen korrelieren.
Das Buch spiegelt nur einen Augenblick im Leben des Dichters, der Zeit seines Lebens zwar erfolgreich, zugleich aber auch zweifelnd und pessimistisch war.

Kappacher gibt einen authentischen Einblick in einen kurzen Zeitabschnitt, in dem er den Dichter nahe beobachtet haben könnte. Einfühlsam und gut nachgezeichnet kann man sich ein Bild des fleißig schaffenden, empfindsamen und angesehenen Dichters und seiner Zeit machen.

Migliedermeinung

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