Schulkummer

von

Reportage

Aus dem Französischen von Eveline Passet

288 Seiten (gebunden)
Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 27.02.2009

ISBN: 9783462040722

Rezension von

Verfasst am: 03.03.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Wer kennt ihn nicht: den Schulkummer?

Dieses Buch ist ein Muss für alle, die als Eltern und Lehrer mit Schule zu tun haben!

Daniel Pennac hat Humor. Und mit diesem Humor bringt er ein Thema auf den Punkt, das schon immer, heute wie vor hundert Jahren, Kinder, Eltern und Lehrer bewegt hat.

Von seiner eigenen Schulzeit weiß er mit Selbstironie und in scherzhaftem Ton zu berichten: z. B. hätte niemand je gedacht, dass er einmal Lehrer werden würde! Seine Eltern, Lehrer und er selbst waren kaum davon überzeugt, dass er überhaupt einen Schulabschluss zustande bringen könnte. Aus seinem Kopf flogen alle Schulweisheiten und jeder erlernte Stoff ganz schnell wieder heraus. Er fühlte sich unfähig, etwas zu behalten. Entsprechend schlecht fielen seine Noten aus. Keiner hatte Hoffnung, am wenigsten er selbst.

In leichten Ton erzählt Pennac weiter, wie er als Lehrer traurige und verzagte Schüler und Eltern traf, die an sich und an der Zukunft ihrer Kinder zweifelten.
Eines wird schnell klar: nicht Dummheit oder Unfähigkeit von Schülern bieten die Ursache für Schulversagen. Mit weitem Herzen, liebevollem Einfühlungsvermögen und tiefem Verständnis, das aus der eigenen Erfahrung resultiert, versteht Pennac uns zu belehren, dass es an Lehrern und Eltern liegt, wenn Kinder zu Versagern werden. Kinder brauchen Selbstvertrauen, Zuversicht und Mut, die ihnen trotz schlechter Leistungen einzuflößen sind. Aber wer versteht etwas davon?
In erster Linie Lehrer, die wie Pennac durch eigene Leidenszeiten als Schüler und Lernende gegangen sind.
Nach seinen Ausführungen zeichnet nicht Wissen den Menschen aus, sondern Lebensweisheit, das Erkennen von Zusammenhängen, Einsicht und Selbstkritik, Nachdenken, Einfühlsamkeit und Kompetenz im Umgang mit den Mitmenschen. Das sind die Merkmale emotionaler Intelligenz, wie wir sie durch die Intelligenzforschung heute kennen. Sie erst bieten die Voraussetzung dafür, den Verstand sinnvoll zu nutzen. Und ohne die Stärkung dieser Eigenschaften fällt das Lernen schwer!

Pennac schreibt jedoch nicht mir erhobenem Zeigefinger: seine Antworten auf die Fragen nach dem Schulversagen gründen in den Analysen einer Gesellschaft, in der es Arbeitslosigkeit und Trennungen der Eltern gibt, Ängste, Lieblosigkeit und Zukunftssorgen. Mit Lasten beladen erscheinen die Kinder im Unterricht, und der Kopf ist nicht frei, sich mit Neuem und Aufregendem, dem Lernen, zu befassen.
Pennacs Erkenntnisse sind aus der Sozialisationsforschung hinreichend bekannt. Seiner Fähigkeit, diese Erkenntnisse in den lebendigen Alltag umzusetzen und dem Leser erfahrbar zu machen, verdanken wir, dass jedem klar wird, worum es in der Schule und beim Lernen geht!

Daniel Pennac schreibt so menschlich, so verständnisvoll und unmittelbar dem Leser zugewandt, dass man gar nicht anders kann, als ihm zuzustimmen! Eltern mögen das Buch zum Trost und zur Selbststärkung lesen! Denn wie oft scheitern Kinder, weil die Eltern und Lehrer das Scheitern antizipieren?

Das Buch ist Rückblick und Ausblick in einem, autobiographisch und visionär,—man sollte es einfach lesen!

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (1):

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Leserbewertung (1):

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