Zama wartet

von

Roman

Aus dem Spanischen von Maria Bamberg

384 Seiten (gebunden)
Manesse

Erscheinungsdatum: 16.03.2009

ISBN: 9783717521846

Rezension von

Verfasst am: 12.04.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Kolonialherrschaft in Argentinien um 1800 und ihre Folgen.

Dem Motto des Romans “Den Opfern des Wartens” kommt eine besondere Bedeutung zu in dem 1955 verfassten Werk von Antonio Di Benedetto, der von 1922 bis 1986 gelebt hat.

Dem Warten ist das Leben von Diego de Zama, dem Icherzähler, überantwortet, als er 1790 als Kolonialbeamter in die ferne Provinz nach Asuncion in Argentinien versetzt wird.

In jenen fernen Zeiten der Kolonialherrschaft Spaniens in Argentinien ging es dort nicht immer sehr zivilisiert zu. Getrennt von seiner Familie versucht Zama sich im Busch einzurichten. Dabei ist er voller Hoffnung, dass dieses erst der Anfang zu einer steilen Karriere sein möge.
Weit gefehlt verirrt er sich im Gestrüpp klein karierten Denkens und Handelns. Engstirnig und wenig weltläufig leben die kleinen Beamten vor sich hin, getrieben vom Verlangen nach Frauen und Abwechslung. Eifersüchteleien und Intrigen erdrücken die Betroffenen, die abgeschoben in den Urwald ihr Leben fristen.

Da der Roman zu Ende des 18. Jahrhunderts angesiedelt ist, kann man sich vorstellen, wie primitiv und beengend das Leben damals abseits der großen Städte in Argentinien war. So wird man nicht zum Zeugen großer Ereignisse, sondern erlebt einen sich auflehnenden und zuweilen wütenden Zama, der in aufbrausendem Zorn auch Duelle nicht fürchtet. Seine Gedanken erfahren eingehende Würdigung. Ängste, Erwartungen und immer wieder enttäuschte Hoffnungen bringen ihn psychisch und physisch an den Rand seiner Existenz. Das Warten symbolisiert einen Geschichtszustand, in dem vieles noch im Fluss und zugleich anachronistisch war.
Sklaverei, Banditenunwesen und Freibeuterei bedrohten die Ureinwohner des Landes, die in der freien Natur angesiedelt einem vielfarbigen Völkergemisch entstammten. Zama selbst ist kreolischer Abstammung, fühlt sich aber als spanischer Bürger. Dass es zwischen Farbigen, Indios, Spaniern und Mischlingen zu Spannungen kam, ist historisch belegt.

Der Blick richtet sich auf die Kolonialzeit in Südamerika. Portugiesen, Spanier und Franzosen kämpften um die Vorherrschaft, und in Aufständen versuchten die Indios, ihre Unabhängigkeit zu bewahren oder wieder zu erlangen.
In drei Kapitel gliedern sich die Phasen der politischen Entwicklung, die am Ende im politischen Chaos enden.

Die Historie bildet jedoch nur den Rahmen, das Interesse gilt dem “wahrnehmenden Bewusstsein”, wie es im Anhangstext heißt.

Di Benedetto hat seinen Roman 1956 erstmals veröffentlicht.
Der Anspruch und das Vorwissen um die literarischen Strömungen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Literaturszene ausmachten, sind Voraussetzung, um sich mit dem wechselnden Stil und Inhalt des Romans auseinander zu setzen.

Im Anhang wurden von Roland Spiller wertvolle und wissenswerte Begründungen zum Verständnis des Werkes angeführt. Ohne diese Hinweise ist die Erzählung eher schwer verständlich, wenngleich sich der ruhige Erzählfluss durchaus dem Leser mitteilt. Doch erscheint die beschriebene Welt teils realistisch und teils fantastisch in der Färbung.

In der Übersetzung von Maria Bamberg ist mit Antonio Di Benedettos Roman ein Meisterwerk der südamerikanischen Weltliteratur neu zu entdecken.

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