Als afrikanische Flüchtlinge in einem fremden Land.
Dieses ist die Geschichte von Sepha Stephanos, der in Amerika Zuflucht fand, als in Äthiopien die Revolution das Kaiserreich und damit alle höheren Gesellschaftsschichten und auch den Vater von Sepha auslöschte. Zugleich erzählt der Icherzähler uns von seinen Freunden Kenneth und Joe, die sich als politische Flüchtlinge aus Afrika in Amerika eingerichtet haben.
Vor siebzehn Jahren haben sich die drei kennen gelernt: Kenneth aus Kenia, Joseph aus dem Kongo und Sepha Stephanos aus Äthiopien. Sie waren damals Pagen im Capitol Hotel in Washington. Und heute?
Kenneth ist Ingenieur geworden, Joseph kellnert, und Sepha, der Icherzähler, betreibt einen kleinen Laden, in dem er in seinen Träumen an die ferne Heimat denkt. Alle drei sehen sich oft zur Abendzeit, denn Afrika bietet genug Unterhaltungsstoff, um sich mit einander heimisch zu fühlen. Die spürbare Entwurzelung und die Sehnsucht nach Heimat bilden den Tenor der Gespräche zwischen den Freunden.
Was haben sie denn hier in Amerika schon erreicht?
Sepha hat sich nie recht eingewöhnen können in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Einst hatte er große Pläne mit einem Studium. Doch zuletzt besitzt der Sprössling aus gutem Hause einen Laden in einer herunter gekommenen Gegend in Washington D.C. Wenn er gerade keine Kunden bedient, liest er. Insgeheim hat er resigniert und ist ein trauriger Mann geworden. Als eines Tages Judith mit ihrer Tochter Naomi ins Nebenhaus einzieht, keimt neue Hoffnung in ihm auf. Sie ist eine schlanke, weiße Frau mit einer nicht ganz so weißen Tochter. Naomi ist 11 Jahre alt, wild und ungebärdig und ein wenig altklug.
Zwischen Naomi und Sepha entsteht eine bezaubernde Freundschaft. Sepha kann so schöne Geschichten erzählen,—und beide schwelgen in Fantasien, zu denen die Geschichten anregen. In ihren schönsten Stunden liest Sepha aus den Werken der großen Weltliteratur vor. Naomi ist seine unersättliche Zuhörerin.
Poetisch, leise und unaufdringlich wird hier die Geschichte von afrikanischen Immigranten erzählt. Sie haben sich gefunden und können in gemeinsamen Gesprächen ihre Herzen erleichtern.
Der Titel zum Roman, der aus Dantes Göttlicher Komödie stammt, zeigt den Geist und die Interessen, die Joseph und Sepha verbindet. Kenneth, der Aufsteiger in dem Dreierbund, kann als einziger auf eine ärmliche Kindheit zurückschauen, die ihn zur realen Einschätzung seiner heutigen Chancen motiviert hat.
In seiner belebenden und faszinierenden Sprache erzählt der Autor, der ebenfalls aus Äthiopien stammt, über das Leben in Afrika, über Flucht, Verderben, die neuen Erfahrungen in einem fremden Land und die unstillbare Sehnsucht, mit denen die Flüchtlinge rückwärts schauen. Zwischen der neuen Welt und dem geheimnisvollen Afrika gibt es kaum Vereinbarkeiten. Der alte Glanz des vergangenen Afrikas ist vorbei. Diktatoren wechseln dort regelmäßig die Bühne und eine Umkehr dorthin ist nicht mehr möglich.
Still und sanft, dabei anrührend und zart erzählt hier einer von den Gefühlen, die den Flüchtling entfremdet alleine lässt, wenn Heimat für immer verloren bleibt.
„Ein Vogel der zwischen zwei Zweigen festsitzt, erwischt es an beiden Flügeln……. Ein Mann, der zwischen zwei Welten hängt, lebt und stirbt allein.“
Mit poetischen und liebevollen Worten reflektiert der Autor sein Leben in Amerika. Es ist ein wunderbarer Roman darüber entstanden.
Er bedeutet eine Errungenschaft auf dem amerikanischen Literaturmarkt und wird als solche auch gewürdigt.
