Wintergewölbe

von

Roman

Aus dem Englischen von Gerhard Falkner, Nora Matocza

350 Seiten (gebunden)
Berlin Verlag

Erscheinungsdatum: 25.04.2009

ISBN: 9783827005342

Rezension von

Verfasst am: 27.04.2009

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Liebesgeschichte, Zivilisations – und Kulturgeschichte in einem!

Avery und Jean leben auf einem Hausboot.

Nicht um einen gemütlichen Urlaub geht es hier, sondern um eine der schwierigsten und aufwendigsten Arbeiten, die man sich nur vorstellen kann: Avery ist als Ingenieur daran beteiligt, die Versetzung des Tempels von Abu Simbel um 60 Meter zu erhöhen, damit infolge des geplanten Neubaus des Assuanstaudamms dieses gigantische und 3000 Jahre alte Meisterwerk nicht zerstört wird. Er lebt für die Zeit der Bauarbeiten etwa 1964 mit seiner Frau in einem Hausboot auf dem Nil.

Der Aufgabe angemessen erzählt Anne Michaels in diesem Teil des Romans in einer fast archaischen Sprache von den Lebensbedingungen heute und vor tausenden von Jahren, von der Zerstörung der Natur, der Veränderung der ökologischen Nutzbarkeit der Wüste und des Wassers und dem Leben der Menschen heute und vor vielen, vielen Jahren.

Anne Michaels vereint in ihrem Roman Liebesgeschichten, eine Kulturgeschichte der Baukunst und die Urbanisierung der Natur in einem.
Der Bogen ist weit gespannt.
Als sich Avery und Jean kennen lernten, lebten sie in Kanada, wo Avery bereits bei der Arbeit zu einem Stausee am St. Lawrence Strom beteiligt war. Er widmete sich der Baukunst, Jean den Pflanzen. Zart ist ihre Annäherung, bei der es um die unterschiedlichen Kindheitserinnerungen geht und um einen umfassenden Gedankenaustausch, der die Grundlage ihrer Beziehung sein wird. Die Natur und ihre Zerstörung durch den Menschen bestimmen die gemeinsamen Überlegungen der beiden. Trauer über die Umsiedlung ganzer Bevölkerungen von den Ufern der Flüsse, die ihre Traditionen und geheiligten Örtlichkeiten mit den Gräbern der Verstorbenen zurücklassen müssen, stehen den baulichen Aufgaben, die zu bezwingen sind, gegenüber. Anne Michaels kennt sich gut aus in der Geschichte und weiß ihre Kenntnisse in die Gespräche ihrer Protagonisten einzuflechten. Sie bedient sich harmonischer und poetischer Bilder, mit denen sie einem die Natur und die Eingriffe des Menschen in deren Kreislauf eindringlich darlegt.
Familiengeschichten, Arbeit und Pläne der Protagonisten bieten den Plot, um eine Vielzahl von Einfällen zur Geltung zu bringen. Mehrheitlich erhabene und fast pathetische Momente wechseln mit ganz prosaischen Erlebnissen.
In vielen Dialogen geht es um Liebe und Verstehen, das wahre Glück und menschliches Versagen.

Den unterschiedlichen Erzählsträngen an sich ändernden Orten und Zeiten kann man gelegentlich nicht leicht folgen. Recht verwirrend sind die Vielzahl der Geschichten: über Familien und deren Vergangenheit, die bis ins Nazireich Deutschlands reicht, und die zum anderen England, Kanada oder Ägypten zum Thema haben. Es entsteht der Eindruck, dass der Roman überfrachtet ist. Besonders ein zweiter Teil verstärkt diesen Eindruck. Jan und Avery sind dem Ansturm ihrer Erlebnisse und Anforderungen nicht mehr gewachsen und trennen sich. Nun gibt es eine weitere Geschichte mit wieder neuen Figuren und neuer Liebe. Insgesamt weiß die Autorin den Leser jedoch zu bannen mit ihren abwechslungsreichen Geschichten und bietet anspruchsvolle Unterhaltung.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (1):

  • 4.0000/5 Sterne.

Leserbewertung (0):

  • Momentan 0/5 Sterne.

Ihre Bewertung:

  • Momentan 0/5 Sterne.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5