Eine Kiste explodierender Mangos

von

Historischer Roman

Aus dem Englischen von Ursula Gräfe

384 Seiten (gebunden)
A1 Verlag

Erscheinungsdatum: 01.03.2009

ISBN: 9783940666062

Rezension von

Verfasst am: 30.04.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Pakistan in seiner ganzen Vielfalt aus Korruption, politischer Intrige und einem verwirrenden Gesellschaftsgemisch.

1988 erlag der pakistanische Präsident Zia ul-Haq bei einem Flugzeugabsturz einem möglichen Attentat. Mit ihm starben einige seiner Generäle und der amerikanische Botschafter.
Pakistan mit seinem Militärdiktator gehörte seiner Zeit zu den treuesten Verbündeten der USA im Afghanistankrieg.

War es eine Attentat oder Unfall?

Ganz geklärt wurde die Angelegenheit nie, aber Mohammed Hanif hat einen anschaulichen, makaber humorvollen und höchst amüsanten Roman aus dem Stoff gemacht. Politsatiren entstehen aus wahren Geschichten, und dieses ist eine.

Worum es hier geht, das sind die Militärs in einer Diktatur, ihre Eitelkeiten und die Selbstgefälligkeit, mit der Anordnungen getroffen oder widerrufen werden, mit der die unmöglichsten Strafen ersonnen und Regeln aufgestellt werden oder verrückte Ideen aus den Hirnen der Generalität erwachsen. Mit einer Vielzahl von Möglichkeiten verfolgt man verdächtige Gegner und sogar Anhänger des Regimes.

Aus der Perspektive von Luftwaffenkadett Ali Shigri, der zugleich Hauptprotagonist ist, wird die Geschichte erzählt. Er wird bestraft, weil er über den Verbleib seines Freundes Obaid, von dem niemand weiß, wohin er entschwunden ist, Auskunft geben kann,—oder will?
In seinen wechselnden Arrestzellen erlebt er Torturen, die man sich für jene ausdenkt, die als verdächtige Abtrünnige gelten. Shigri ist der Sohn eines einstmals mit militärischen Ehren ausgezeichneten Colonels, der inzwischen freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Man fand ihn an seinem Bettlaken am Ventilator hängend vor (!). So schnell kann der Fall aus großen Höhen sein!

In einem Wechselspiel von Begegnungen, Verdächtigungen und unruhigem Argwohn geht jeder seinen Aufträgen nach.
In der Kadettenkaserne darf man Einblick nehmen in die Korruption, das Intrigenspiel und die Raffinesse, mit der sich einzelne untereinander verbünden und andere ausgrenzen.
Hochrangige Saudis und CIA Agenten beleben das Szenario, in dem unterschwellig immer die Angst vor Mord und Totschlag lauert. Die Sicherheitsvorkehrungen bieten Anlass, die grotesken Zustände zu illustrieren.

Religiöse Vorstellungen, die Befolgung –oder auch Auslassung—der Riten, und die Paranoia des herrschenden Potentaten zeigen in aller Deutlichkeit, wohin Diktaturen entgleisen können. In diesem völkerreichen Erdteil Südasiens lebt es sich gefährlich. Umgeben von unsichtbaren Mächten neigt ein jeder dazu, sein eigenes Ding zu drehen, auch Ali Shigri.

Hanif ist ein äußerst redegewandter und Fantasie begabter Autor, der seinen Geschichten mit Akribie und humorvollen Akzenten Pointen setzt. Skurril und ausgefallen sind seine Schilderungen, die doch immer die Realität im Blick behalten.

Eine Innenschau über Pakistan ist mit diesem Roman entstanden, die nur ein Eingeweihter so detailliert aufgreifen und zu einer ausufernden Posse verarbeiten kann. Der Ernst ist dabei durchaus nicht auf der Strecke geblieben. Das macht die Aktualität der Geschichte aus: es ist die überzeichnete Wahrheit, die uns einen Eindruck aus dem Land vermittelt, das für uns ferne ist und doch beängstigend nahe in seiner dramatischen und verwirrenden Unberechenbarkeit, mit der es auf wechselnden Seiten am Weltgeschehen teilnimmt.

Hanif unterhält auf humorvolle Weise mit klugem Weitblick und persönlichem Engagement.

Migliedermeinung

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