Die Strudlhofstiege

von

Roman

912 Seiten (gebunden)
dtv

Erscheinungsdatum: Januar 1976

ISBN: 9783423012546

Rezension von

Verfasst am: 12.08.2007

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Der Roman um die “Menschwerdung” des Majors a.D. und Amtsrat der österreichischen Tabalregie gilt nicht umsonst als das Meisterwerk des 1966 verstorbenen Fabulierkünstlers Heimito von Doderer.

Der chronologisch nicht lineare Roman spielt größtenteils im Wien der 1920er Jahre, und fokussiert dabei auf die Persönlichkeitsentwicklung des genannten Melzers. Aber die Handlung steht nicht im Vordergrund der Erzählung, viel mehr geschehen Entwicklungen und Fortgänge eher nebenbei, fast unbemerkt. Denn von Doderer führt uns ein in ein unglaubliches Panoptikum von äußerst illustren Figuren, teils typische Wiener, teils Zugereiste mit einer Kadenz vor Augen, dass kaum Zeit zum Luftholen bleibt. Da trifft zum Beispiel der „Zerüttmeister“ (eigentlich Rittmeister), der Frauen mit Vorliebe dazu überredet, Cognac direkt aus der Flasche zu trinken, auf den Amtsrat Julius Zihal, der Erfinder des „Zihalismus“, der Fähigkeit, sich eine schlüssige Weltanschauung ohne Bezug zur Realität zu entwickeln… Wenn man es trotz der unübersichtlichen Zeitabläufe und der über dreißig handelnden Personen fertig bringt, dem Roman über 900 Seiten die Treue zu halten, wird man dafür belohnt mit einem Lesevergnügen sondergleichen.

Stilistisch ist und bleibt von Doderer einer der spannendsten und humorvollsten Erzähler des zwanzigsten Jahrhunderts, dessen ganz eigene Art zu schreiben einen von der ersten Seite an gefangen nimmt. Ganz große Weltliteratur!

Migliedermeinung

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