Sommerfrische

von

Erzählung

128 Seiten (gebunden)
Matthes & Seitz

Erscheinungsdatum: 09.02.2009

ISBN: 9783882217223

Rezension von

Verfasst am: 07.05.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Eine verheißungsvolle Lektüre,—und wie sieht die Wirklichkeit aus?

Tief im Süden Ungarns liegt eine Ferienkolonie, üdülö genannt, in der man früher die Sommerfrische verbrachte.

Nichts aber erinnert daran, was man sich darunter vorzustellen glaubt: hier ist alles öde, verlassen und überdrüssig.
Es gibt einen Fluss, dessen Wasser in diesem Sommer ganz niedrig verläuft, so wie die Erde ringsum ausgetrocknet ist und im Staub und körnigen Einerlei zerrinnt.

Lacibacsi ist der Kneipenwirt, bei dem man sich trifft und über die neuesten Nachrichten des Dorfes spricht.

Es passiert aber nichts,—außer: eine neue Frau ist zugezogen!
Antal hat für sie Frau, Kind, Hund und seine Pfauen verlassen.

In einer spröden, lakonischen Sprache beschwört Esther Kinsky eine Landschaft herauf, der die Romantik und Schönheit abhanden gekommen zu sein scheint. Man spürt förmlich die Leere und Trostlosigkeit und das pure Überleben einer Gesellschaft, der in der postkommunistischen Ära jeglicher Halt und jede Stimmung abhanden gekommen ist.

Karge Worte und Beschreibungen lassen uns teilhaben an der Langeweile und dem Überdruss, der nur noch vom täglichen Einerlei zum Überleben beflügelt ist. Wunderbar ist die Sprache, die mit der Landschaft übereinstimmt: hier kann man Glück nur im ganz Kleinen finden und der Alkohol bietet den Trost, die Gegenwart zu vergessen. Einen größeren Gegensatz als die Versprechung der „ Sommerfrische“, mit der man Heiterkeit, Müßiggang und Glück verbindet, und dem beschriebenen dürftigen Alltag in dieser abgelegenen Gegend lässt sich nicht denken.

Dass inzwischen ein paar verspätete Urlauber die Siedlung aufmischen und Abwechslung in den Alltagstrott bringen, lässt umso mehr die Gegensätze zwischen den Besuchern für einen Sommer aufblitzen. Mit Kozak fangen die Namen der fidelen Sänger und Händler, auch Radiomänner an, die in diesem Sommer hier auftauchen. So weit es geht, beherrscht sogar Fröhlichkeit und eine melancholische Stimmung mit der Sehnsucht nach Glück das Gefühl der sommerlichen Besucher.
Nach dem langen trockenen Sommer endet die Erzählung in einem poetischen Gesang aus landschaftlichem Wörterklang und zuversichtlichem Aufbruch in eine neue Zeit, an fernem Ort!

Der Erstlingsroman der ungarischen Übersetzerin und Autorin wird von einem herben Reiz bestimmt, den man mit Gewinn liest!

Migliedermeinung

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