Wahlverwandt und ebenbürtig

von

Biographie

320 Seiten (gebunden)
Eichborn

Erscheinungsdatum: 01.05.2009

ISBN: 9783821862071

Rezension von

Verfasst am: 14.05.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Wahlverwandt und ebenbürtig: mit dieser Charakterisierung ist treffend das Verhältnis zwischen Wilhelm von Humboldt und Caroline von Dacheröden beschrieben. Beide waren sich geistig und seelisch nahe, vertraut und ebenbürtig.

Beide entstammten dem Adel, verloren früh einen Elternteil und schlossen sich Bewegungen an, in denen es um Freiheit und Gleichberechtigung ging. Sie lernten sich über Karl von La Roche kennen und begegneten den Frauen der Romantik in deren literarischen Salons. Zu den bekannten Frauen der Romantik gehörte Brendel, die Tochter Moses Mendelssohns, Henriette Herz, Caroline von Wolzogen und neben weiteren als bekannteste Rahel Varnhagen von Ense.
Gegen Ende des 18.und zu Beginn des 19. Jahrhunderts blühten die ersten Jugend,- Freundschafts – oder Tugendbünde, in denen sich Seelenverwandte zusammenfanden, die sich u.a. der Erforschung der inneren Befindlichkeit hingaben.
Zur Freiheit gehörte für Caroline und Wilhelm die damals noch ungewöhnliche Vorstellung, sich den Partner selbst zu wählen. Caroline von Dacheröden war eine selbständig denkende und handelnde Person, die in Wilhelm von Humboldt den Gleichgesinnten erkannte und von sich aus um ihn warb. Schon bald nach der ersten Begegnung zeigte sich, dass die beiden gleiche Gedanken – und Denkmodelle teilten.

Es entstand eine Verbindung, die unvergleichlich war sowohl in der Gestaltung der Ehe, als auch in der Freiheit, die sie einander auch im Liebesverhalten zugestanden.
Wilhelm von Humboldt war Kenner der Antike, früher Anthropologe und wurde als Vorläufer der Linguistik gefeiert.
Beruflich genoss Wilhelm hohes Ansehen als Staatsmann, Gelehrter und Mitbegründer der Berliner Universität, der heutigen Humboldtuniversität.

Beide Partner zeigten ungewöhnlich starke Charaktere. Wilhelms Aufgaben im Dienste der preußischen Kultusbehörde führten zu langen Trennungen von seiner Frau und den Kindern und damit zu einer ausgedehnten Korrespondenz zwischen den beiden. Die Briefe legen beredt Zeugnis ab von der tiefen Verbundenheit zwischen dem Paar.

Mit der Abschrift zahlreicher Briefe, dem Aufführen ausgedehnter Zitate und bibliographischer Belege lässt uns die Autorin an einer Entwicklung teilnehmen, die eng verknüpft war mit der französischen Revolution von 1789 und dem damit verbundenen Zeitalter der Aufklärung. Der Denkansatz Humboldts war der eines reflektierenden Individuums, das durch eigene Anschauung und Erfahrung zur Emanzipation und Befreiung des einzelnen führen sollte.

Es ging den Vordenkern der Französischen Revolution um geistige und seelische Befreiung aus traditionellen Zwängen und um ein Ende der feudalen Herrschaft. In kritischen Analysen wusste Wilhelm von Humboldt die missbräuchlichen Auswüchse der Revolution von den Ansätzen zu freiheitlichem Denken zu unterscheiden.

In den Ausführungen von Rosenstrauch kommen viele bekannte Wissenschaftler und Philosophen des 18. und 19. Jahrhunderts zu Wort. Dazu gehörten Schiller und Goethe, die Schwestern von Lengefeld, der Philosoph La Roche und viele andere mehr. Ohne Kants berühmten und aussagekräftigen Satz „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ ist die Zäsur in der Geschichte schwer vorstellbar.

Gut zu lesen, klug und einfühlsam geschrieben und hervorragend recherchiert bildet die Biographie zusammen mit einem ausführlichen Anhang eine ausgezeichnete Grundlage zur Erweiterung des eigenen Wissens.
Die feine, bibliophile Aufmachung des Buches aus der Reihe „Die andere Bibliothek“ vom Eichborn Verlag betont das Besondere des Sujets, mit dem man sich hier zu befassen hat.

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