Nächste Woche, vielleicht

von

Historischer Roman

Aus dem Italienischen von Maja Pflug

170 Seiten (gebunden)
Limmat Verlag

Erscheinungsdatum: 01.03.2009

ISBN: 9783857915789

Rezension von

Verfasst am: 27.05.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Sozialist und Kämpfer für eine bessere Welt!

„Der Fuß muss Flügel werden,—nächste Woche vielleicht?“

Was kann man sich unter diesem Signum vorstellen? Freiheit und Gerechtigkeit?

Mit einer sanften Einführung über den Buchhändler José Fontana in Lissabon beginnt eine Erzählung, die sich sozialen und politischen Entwicklungen um 1871 -1876 in Frankreich und Portugal widmet. Die Geschichte José Fontanas, der als Begründer des Sozialismus in Portugal gilt, ist das Vorbild für den vorliegenden Roman von Alberto Nessi.

Die Erzählung beginnt poetisch und sensibel und geht über in einen Bericht über die Anfänge des Sozialismus in Portugal und Frankreich.

Mit 31 Jahren kam José aus dem Tessin nach Lissabon, wo er das Glück das Gute in der Welt sucht, denn er will die Welt verändern.
Er ist ein einfacher Mann. Seine Jugend war von Armut, Einfachheit und dem angezweifelten Glauben an Gott erfüllt.

Fontana findet in Lissabon Genossen, die ihn Geschichte lehren und über die Gründe für eine sozialere Welt mit ihm diskutieren. Dabei streifen sie in ihren Gesprächen die französische Revolution von 1789, reden über Kriege und ihre Auswirkungen, thematisieren Religion, Ausbeutung und den revolutionären Kampf.

In der geschickt aufgebauten Geschichte, deren einzelne Kapitel mit Jahreszahlen von 1871 bis 1876 überschrieben sind, geht es anfangs um einfache philosophische Fragen, wie das Gute und das Böse beschaffen ist, um die Kindheitsgeschichte des Helden und die Kunst im Allgemeinen.
Perlend sprudeln die Worte hervor, mit der eine Kindheit beschworen wird, in der die Wunder der Natur und die beobachteten Ereignisse im Dorf sich groß im Kopf des kleinen José auftürmten. Von Vogelsang und Erlenschatten, von Wiesen, Weinterrassen und Fledermäusen ist die Rede, von den ersten Toten, die er zu Gesicht bekommt, dem ersten Weiberduft, der ihn umschwirrte, und von vielen unheimlichen Kirchenfesten mit der Beichte, die ihn neugierig machten.
Als José sich in Lissabon in der alten Buchhandlung Bertrand wieder findet, wo er eine Anstellung fand, ist er neugierig, mehr zu erfahren über Armut und Reichtum, über das Zusammenleben der Menschen und viel über die Bücher, von denen er umgeben ist. Er lernt neue Freunde kennen, die ihm mit Wissen und Aktivitäten weiterhelfen.
In wechselnden Kapiteln, die Essays gleichen, führt uns Alberto Nessi durch das Leben José Fontanas, das uns zugleich die Geschichte des Sozialismus in Portugal näher bringt.

Neben den poetischen Bildern und dem stillen Wunsch Josés nach Veränderung der Welt, neben berühmten Namen von Initiatoren kommunistischer Zirkel und der Internationale, den Streitigkeiten zwischen Kommunisten und Anarchisten in Frankreich, kann man den fast ironischen Parcours durch die Weltgeschichte der Kriege als Kernpunkt der Erzählung ausmachen. Egal, wer gegen wen kämpfte, oder um was es den Kriegern ging: Kreuzzüge oder Eroberungskriege, Religionsstreitigkeiten oder sichere Weltverbesserungsideen: Ströme von Blut waren die Folge.

Zu Ende seines Lebens, denn José ist sehr krank, zieht er das Fazit seiner Erfahrungen und Denkprozesse und kommt zu recht widersprüchlichen Einsichten. Ob sich seine idealen Ziele je verwirklichen lassen werden?

Ein kluges und gescheites Buch ist dem Autor gelungen, anspruchsvoll, tiefgründig und literarisch versiert geschrieben!

Nur 169 Seiten zählt das Werk, aber gehaltvoll und vielseitig unterhält es den Leser auf höchstem Niveau.
Die allseits bekannte Übersetzerin Maja Pflug zeigt erneut ihr hervorragendes Können.

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