Nöte einer jungen Schriftstellerin oder der vergebliche Versuch, nach Anfangserfolgen eine gute Arbeit zu fertigen?
Jessica Durlacher ist eine hervorragende Schriftstellerin.
Mit Ihrem Mann Leon de Winter lebt sie in Holland, und beide schreiben mit Rücksicht auf die gemeinsamen Kinder immer abwechselnd an einem Roman.
Sie hat so gute Romane wie „ Die Tochter“ und zuletzt “Emoticon“ geschrieben. Letzterer ist ein spannender und differenzierter, psychologisch überzeugender Politkrimi.
Mit Spannung erwartete man weitere Romane von ihr.
Nun hat sie eine autobiographische Studie über Schriftsteller geschrieben. Man könnte sich eine fundierte, witzige und ironische Analyse der Eitelkeiten oder Nöte dieser Berufsgruppe vorstellen. Leider gewinnt man schon bald den Eindruck, dass Schreibblockaden, von denen Schriftsteller zuweilen zu berichten wissen, für Jessica Durlacher selber zum Hemmnis für ein vernünftiges Buch geworden ist.
Äußerst langweilig und wenig aufregend berichtet sie von Künstlerfreunden und Verlegern, die sich bei Gelegenheit treffen, um sich auszutauschen. Ein Maler, ein deutscher Schriftsteller und der Verleger Bastiaan mit ihren mehr oder weniger exzentrischen Partnerinnen bieten das gelangweilte Umfeld für eine ebenso langweilige Party. Ein wenig Eifersucht, ein wenig Missgunst und kleinliche Angebereien verschaffen den Eindruck einer ermüdenden Gesellschaftszusammenkunft.
Tirza Danz, die hier stellvertretend für Jessica Durlacher steht, übernimmt mit Unlust einen Schreibkurs für Kreatives Schreiben in einer Schule und sieht sich mit einem offensichtlich provozierenden und aufsässigen Schüler konfrontiert. Hilflos verlässt sie den Unterricht, um nach einer Woche einen neuen Versuch zu wagen.
Zwischenzeitlich ergibt sich ein irritierender E-Mailwechsel zwischen Tirza und zwei Journalistinnen, die sie als Interviewpartnerin für eine psychologische Fachzeitschrift gewinnen möchten. Die Mails gehen hin und her, Verabredungen werden getroffen und wieder verworfen, und Tirza kann gar nicht mehr glauben, dass es die Damen überhaupt gibt.
Recht zusammenhanglos löst sich Tirzas Schreibblockade. Sie schreibt eine Erzählung mit dem Titel „Schriftsteller“ und findet mit einem Trick zu einem höchst überraschenden aber nicht ganz überzeugenden Schluss ihrer kleinen Geschichte.
Die Erzählung vermittelt den Eindruck, dass sie aus Verlegenheit erfunden wurde. So recht kommen kein Elan und kein wirkliches Interesse auf, und man weiß lange nicht, wohin das Ganze führen soll. Ihre Figuren sind zwar präsent, doch kann sie keine anhaltende Aufmerksamkeit für sie entfachen.
Lustlos ist die Erzählweise, die ohne Tiefenschärfe und Glanz oder aufschlussreiche Analysen auskommt.
Schade um eine Schriftstellerin, die weitaus interessanter, vielseitiger und mit ausgewiesener Empathie zu schreiben versteht! Das schmale Büchlein hat man in einer Stunde gelesen und wenig dabei gewonnen.
