Der letzte Dreh

von

autobiographischer Roman

256 Seiten (gebunden)
Rowohlt

Erscheinungsdatum: 16.01.2009

ISBN: 9783871346286

Rezension von

Verfasst am: 01.06.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Berufsbild und gewagte Liebe im unbeständigen Filmgeschäft.

Die 1953 geborene Autorin Pia Frankenberg ist in der Filmbranche als Produzentin und Regisseurin tätig. Sie hat einen aufschlussreichen und spannenden Roman über die Machenschaften in der Filmindustrie geschrieben.

Der einfache Bürger, der ja immer nur das fertige Produkt dieser Berufssparte sieht, darf einmal hinter die Kulissen schauen. Was er da zu sehen bekommt, ist wild, unruhig, strotzt vor Eitelkeiten, Intrigen und einem Industriezweig, der seine eigenen Spielregeln hat.

Hauptprotagonisten in ihrer Filmgeschichte sind Maria und Johan. Ihre Ehe und deren Zerfall bilden die Rahmenhandlung zum Roman.
Maria ist eher aus Zufall denn aus persönlichem Elan zum Film gestoßen. Ende der siebziger Jahre verunglückten ihre Eltern und hinterließen ihr ein beträchtliches Vermögen.
Es sind die Jahre, in denen als Resultat der 68 ziger Bewegung weiterhin vieles infrage gestellt und neue Gesellschaftsregeln angestrebt wurden. Kapitalismuskritik war unter den jüngeren Bürgern noch im Schwange. Maria will ihr Geld loswerden und folgt freudig dem Rat eines Freundes, ihr Geld in die Filmindustrie zu investieren. Sie spielt mit dem Gedanken, sich selbst im Filmgeschäft zu betätigen.
Alles läuft bestens, als sie Johan van Eyck begegnet, von dem sie sich magisch angezogen fühlt. Er ist Flame und gilt Mitte der achtziger Jahre als Motor in der deutschen Filmindustrie.
Man erlebte damals die aufblühende Zeit des Autorenkinos, in der vieles möglich war, was später im bürgerlichen Mittelmaß verloren ging.

Die beiden tun sich zusammen und gründen eine Filmfirma, mit der es so recht nicht aufwärts geht. Ihre hoffnungsfroh begonnene Ehe nimmt mit dem Niedergang der Filmfirma Schaden, denn der erfolgsgewohnte Johan scheitert an seinem mangelnden Realitätssinn und seinem lustbetonten Lebenswandel.
Maria fehlt als verwöhnter Tochter aus reichem Hause überhaupt der Sinn für die Notwendigkeiten des Marktes.

Schon in der ersten Szene des Buches, es ist der letzte Dreh, befindet man sich an einem Drehort für einen Dokumentarfilm über Pinguine in Patagonien, und der ganze Jammer der zerrütteten Ehe zwischen Johan und Maria wird offenbar.
Rückblickend schaut man auf die Entwicklung ihrer Beziehung, die aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet zum Scheitern verurteilt war. Der zermürbende Verfall ihrer Ehe verläuft parallel zu dem ihrer Firma.

Parallel werden atmosphärisch eindrucksvolle Episoden aus der Filmwelt mit ihren Festivals und dem ewigen Antichambrieren ums Geld heraufbeschworen.

Pia Frankenberg bietet tiefe Einblicke in die Charaktere verschiedener Kontrahenten, die sich bei der Herstellung und Produktion von Filmen bekriegen und sich im Pro und Kontra bestimmter Tendenzen zu übertrumpfen suchen.
In wechselnden Szenen wird man in den Filmtrubel hineingeworfen: einmal sind es Filmszenen, dann wieder Drehorte in Berlin und München. Nicht zuletzt bestimmen Streitereien zwischen Schauspielern, konkurrierende Produzenten und die Hetze und Unruhe des Filmalltags die Handlung. Intelligente Dialoge und psychologisch feinfühlig erspürte Hintergründe zeigen einen Filmalltag, in dem nur derjenige überleben kann, der stark und flexibel ist und realistisch zu handeln vermag. Auch das Glück der Stunde spielt keine geringe Rolle beim Erfolg.

Eindringlich beobachtet die Autorin einen Filmalltag, der unter den Zwängen der Geldbeschaffung leidet und vom Erfolg und damit der Kreditwürdigkeit anhängig bleibt.

Pia Frankenberg bietet mit ihrem folgerichtig und geschlossen konzipierten Roman Unterhaltung auf anspruchsvollem und sehr unterhaltsamem Niveau.

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