Tannöd

Tannöd

von

Kriminalroman

125 Seiten (Taschenbuch)
Edition Nautilus

Erscheinungsdatum: 01.04.2007

ISBN: 978-3894014797

Eine wahre Begebenheit mit fiktivem Ende gut verpackt, doch leider vorhersehbar und wenig spannungsreich.

Eines Nachts wird auf dem abgelegenen Hof Tannöd die gesamte Familie Danner, drei Generationen samt Magd, auf grausame Weise erschlagen. Auf der Suche nach dem Täter und dessen Motiv berichten die Dorfbewohner von ihren Erfahrungen und Eindrücken mit den Danners, die überall als geizig, eigenbrötlerisch und irgendwie komisch galten. Im Laufe der aneinander gereihten Schilderungen kommen immer mehr unglaubliche Tatsachen und Geheimnisse über die Familie Danner zum Vorschein, die Licht ins Dunkel bringen und die den Leser auf die Fährte des Mörders führen.
Allerdings sind Täter und Motiv zu frühzeitig eindeutig identifizierbar. Bereits 30 Seiten vor Ende (und das Buch hat nur 125 Seiten) ist dem Leser klar, wer das Verbrechen begangen hat. Dennoch hofft man auf eine überraschende Wendung am Ende, aber diese kommt nicht. Enttäuscht schlägt man dann das Buch zu, da man vergebens auf die wahre Krimi-Spannung mit dem verblüfften “Oh mein Gott, das hätte ich nie gedacht“-Ende gewartet hat.

Die Idee, die diversen Personen des Dorfes selbst zu Wort kommen zu lassen (das Buch besteht fast ausschließlich aus diesen Interviews), ist durchaus gut. Dadurch muss der Leser die Spur nach dem Mörder selbst aufnehmen und sich sein eigenes Bild zusammen basteln. Kein hauptprotagonistischer Kriminaloberkommissar geht den Spuren nach, sondern der Leser selbst – ein echtes Plus dieses dünnen Büchleins, das mit einer einfachen, klaren Erzählweise thematisch viel vermittelt, von den zurückliegenden Nazi- und Kriegszeiten über den Inzest zwischen Vater und Tochter bis hin zu den dorftypischen Vertuschungen. Dennoch sind die verschiedenen Personen, und das sind einige an der Zahl, nicht genügend charakterspezifisch differenziert. Die meisten ähneln sich in ihrem Ausdruck und in ihrer Redensweise doch sehr. Da hätte man sich mehr interessante Eigenarten gewünscht.
Die immer wieder eingeschobenen Zitate aus dem biblischen Text, über deren Sinn und Zweck der Leser nur grübeln kann und die vermutlich nur den christlichen Charakter einer solch idyllischen Dorfgemeinde unterstreichen, hätten auch weggelassen werden können.

Alles in allem eine ganz nette Geschichte mit einer halbwegs gelungenen Umsetzung. Von einem 1. Platz beim Krimi-Preis, dazu noch als „Meisterwerk“ und „Geniestück“ bezeichnet, erhofft man sich eben doch so einiges mehr. Durch das früh vorhersehbare Ende, dem der Überraschungseffekt – sowohl auf Täter- als auch auf Motivebene – komplett fehlt, und der doch eher geringen Spannung, wird man als Leser leider etwas enttäuscht. Da darf man nun schon selbst die Puzzleteile zusammenfügen, da hätte es auch ein etwas anspruchsvolleres Puzzle sein dürfen.

Migliedermeinung

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