Berlin... Endstation

von

Roman

244 Seiten (gebunden)
Dittrich Verlag

Erscheinungsdatum: September 2006

ISBN: 9783937717081

Rezension von

Verfasst am: 21.07.2009

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Ein jüdischer Schriftsteller findet zurück nach Deutschland.

Endstation: das ist die Stadt Berlin für den aus Amerika zurück gekehrten Schriftsteller Joseph Leschinsky, genannt Lesche.

In einem feuilletonistischen Parforceritt durch die siebziger und achtziger Jahre berichtet der erfolglose Schriftsteller Lesche, wie es ihm nach 36 Jahren Exil in den Staaten nun in Berlin gefällt. Er ist 58 Jahre alt aber kein bisschen alt geworden. Ein wenig Halbstarker, ein wenig Filou,—gerade die richtige Mischung, um in Deutschland und der westdeutschen Enklave Berlin Beobachtungen aufzuzeichnen und Erfahrungen zu sammeln.

Es gibt die Begegnungen mit Frauen, das Literatencafe und die Kneipe Zwiebelfisch; er findet Unterkünfte und lernt alte und neue Nazis kennen, und solche, die nie etwas gewusst haben über die Gräuel der Nazis. In kleinen Episoden versteht Edgar Hilsenrath uns das Gedankengut der alten und die Ideen der neuen Nazis nahe zu bringen. Nette kleine Geschichten lockern die Erzählung auf, in denen teilweise originelle Begleiter und Begleiterinnen Lesches Alltag aufmuntern. Hilsenrath ist bemüht, seine feinen Impressionen zu einem geschlossenen Bericht zusammenzufügen.

Alles in allem liest sich die Geschichte wie eine amüsante Parodie mit ernstem Hintergrund auf Deutschland und seine Menschen. In einem Beitrag zur Anthologie „Woran ich glaube“ fallen die Einsichten durchaus ernsthaft aus; wie sollte man nach dem Holocaust auch noch an einen Gott glauben?

Eines ist sicher gelungen: Hilsenrath kann aus Ernst Komik zaubern, und seine Figuren sind Filous mit Fortune!
In diesem Buch hat er Gedanken zum Heute und Gestern zusammengefügt. Ein wenig Berlin- Kreuzberg, ein wenig Boheme und mehr oder weniger erbauliche Begegnungen sind für die Endstation Berlin kurzweilig genug. Wenn Lesche später auch noch einige Abenteuer zu bestehen hat, ganz abgesehen von dem Ende,—- man sollte nicht zu viel erwarten.

Für einen zügigen und anhaltend fesselnden Roman wirkt die Geschichte zu gemächlich und wird ein wenig zerrissen dargeboten. Man muss sich mit den Streiflichtern aus der geteilten und später wiedervereinigten Stadt Berlin und persönlichen Anmerkungen zur Einschätzung der Deutschen und ihrer Form der Vergangenheitsbewältigung zufrieden geben.

Migliedermeinung

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