Eine Frage der Zeit

Eine Frage der Zeit

von

Roman

304 Seiten (gebunden)
Knaus

Erscheinungsdatum: 26.08.2007

ISBN: 9783813502725

Drei deutsche Werftarbeiter und ihre Odyssee im Herzen Afrikas

Kurz vor dem ersten Weltkrieg: drei deutsche Werftarbeiter werden nach Afrika an den Tanganikasee geschickt, um dort ein Schiff zusammenzubauen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees liegt das britisch-belgisch-besetzte Ufer. Als nun der Krieg ausbricht, wird ein britischer, ruhmsüchtiger Marineoffizier ebenfalls an den See geschickt, um mit zwei Kanonenbooten ein deutsches Schiff zu versenken. Die Schiffe sowie die Menschen vor Ort sind gänzlich kriegsuntauglich und die Situation wirkt geradezu lächerlich angesichts dessen, was sich andernorts abspielt, wo sich verfeindete Lager gegenüberstehen und Hunderttausende sterben. Dennoch versucht jeder für sich aus der sinnlosen Situation das Beste zu machen, seine Moralvorstellungen zu vertreten und in Würde weiterzuleben, und das unter der “Macht der Umstände”, wie es des Öfteren im Buch heißt: der Krieg, das Leben im fremden Land mit fremden Menschen, das Klima in Afrika, die zahlreichen Krankheiten und nicht zuletzt die Gesamtheit aller Ereignisse zu jener Zeit.
Und gerade das ist das Interessante an dem, was Alex Capus vor einem minimalen geschichtlichen Hintergrund erzählt: Es sind die unterschiedlichsten Menschen, die durch den Krieg plötzlich zusammengeführt werden, angefangen von Einheimischen, die unter der Kolonialherrschaft zu Sklaven werden, über den einfachen Soldaten, den Zivilisten, der eigentlich gar nichts mit dem Krieg zu tun haben will, bis zum ruhmsüchtigen Kommandeur, der schon immer von seiner persönlichen Heldentat im Krieg geträumt hat, die ihn zu unsterblicher Ehre verhelfen soll und der sich dann unter den Umständen doch ganz anders verhält und entwickelt. Capus zeigt auch wie sich Beziehungen zwischen Menschen durch die Macht der Umstände verändern und verschieben können. Mit Feinden wächst man plötzlich in der Fremde und Einsamkeit zusammen. Und einst miteinander verbundene Menschen trennen sich. Und was kann dieses Phänomen besser präsentieren als ein Kriegsgeschehen?

Eine Frage der Zeit ist eigentlich ein Buch, von dem man nicht so recht weiß, was man davon halten soll. Das doch sehr offen gelassene Ende stimmt nicht zufrieden und passt auch nicht so richtig zu dem Nachspiel, mit dem das Buch vorausschauend beginnt, und das auf eine wirklich dramatische Geschichte hinweist, die sich aber bis zum Ende nicht ereignet. Vielleicht ist es aber gerade deswegen reizvoll. Es verzichtet bewusst darauf, das Leid von Kriegen in seinem ganzen Ausmaß zu präsentieren. Auch der Ort, an dem die Geschichte spielt, ist nicht gerade der Mittelpunkt kriegerischer Auseinandersetzungen und die wenigen Taten und Angriffe beider Seiten scheinen so sinnlos zu sein wie ein Krieg nur sein kann.
Der Titel des Buches klingt so banal wie die Geschichte selbst. Im Prinzip, so zieht man den nicht sehr erheiternden Schluss, ist der Mensch in einer bestimmten Zeit, in der er lebt und die seine Lebensumstände bestimmt, gefangen und kann nicht viel machen als auf seine Weise damit umzugehen. Wie unterschiedlich das von Mensch zu Mensch sein kann, zeigt dieser Roman.
Sprachlich ist das Buch am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, da der Leser über so manche ungewöhnlichen Ausdrücke oder Zusammensetzungen von Wörtern stolpert. Auch hat sich ein kleiner Fehler in der Angabe eines Datums eingeschlichen, das zunächst ein Montag ist und fünf Seiten später auf einen Samstag fällt. Ein Detail, das aber angesichts des Buchumfangs von 300 Seiten vermeidbar gewesen wäre. Beeindruckend ist, mit welcher Ruhe und Beiläufigkeit, jedoch nicht ohne einen Hauch von Humor, Capus durchweg seine Geschichte gestaltet.

Ein ziemlich ernstes Buch, das man nicht unbedingt gelesen haben muss, aus dem aber jeder Leser für sich etwas herausziehen kann.

Migliedermeinung

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