von

Briefwechsel

80 Seiten (gebunden)
Sanssouci

Erscheinungsdatum: 17.08.2009

ISBN: 9783836301596

Rezension von

Verfasst am: 17.08.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Wie gelangt man auf wunderbaren Wegen zu Ansehen und Reichtum?

Hier wird es uns erzählt.

Dass Schiller ursprünglich ein armer Schlucker war, wird nicht allen Lesern bekannt sein. In seinen Bitt- und Bettelbriefen an Freunde, Gönner, Theaterleute und auch Herzöge kann man sich ein Bild machen, wie geschickt und larmoyant Schiller jede Lebenslage zum eigenen Vorteil zu nutzen wusste. Teilweise unterwürfig, dann wieder stolz und überheblich, von der Not gepeinigt und immer wieder eindringlich bittet er bei allen möglichen Adressaten um materielle Hilfe und Geldzuwendungen. Er findet Unterschlupf bei den verschiedensten Gönnern und Gönnerinnen und weiß sich so lebhaft in den Mittelpunkt zu stellen, dass schier keiner ihm Hilfen verweigert. Er scheut nicht vor Übertreibungen zurück, so in seinen Briefen an Henriette von Wolzogen, die ihre Geldzuwendungen niemals wiederbekam, weil er immer neue Ausflüchte erfand, um seine Geldknappheit zu begründen.
Wunderbarerweise verleiht ihm Carl August aus Sachsen -Weimar – Eisenach nach dem Vortrag des ersten Aktes von „Don Carlos“ den Titel eines Rats, zwar ohne Salär aber mit Ansehen geadelt. Flugs weiß er ihn zu nutzen, um seine Wertigkeit und seine Bitten mit Nachdruck zu versehen.

Durch die Briefe des Friedrich Schiller bekommt man einen ganz eigenen Eindruck vom Charakter dieses Menschen. Stets zu Diensten und doch äußerst bedacht auf das eigene Fortkommen erscheint er uns als ein sehr eigennütziger Charakter. Mit wohl gesetzten Worten weiß er zu imponieren und immer den eigenen Vorteil im Auge zu behalten. Und alle, alle folgen ihm! Als er 1785 ein Stipendium von Christian Gottfried Körner erhält, kann er es nicht fassen! Körner erkennt in ihm das Genie, fördert ihn und wird zu seinem lebenslangen Freund. Schiller setzt ihm und mehreren anderen mit seiner „Ode an die Freude“ ein dauerhaftes Denkmal. Als er nach Weimar kommt und dort im Kreise der großen Geister hängen bleibt, sucht er sogleich die Freundschaft von Christoph Martin Wieland. Sein Lebensstil ist jedoch so aufwendig, dass ihn auch hier schon bald die materielle Not heimsucht. Weiter geht’s mit seinen Bitt- und Bettelbriefen! Charlotte und Caroline von Lengefeld werden seine Musen, die eine für’s Bett, die andere für den Geist.
Friedrich Schiller bleibt sich treu: immer den größten Nutzen für sich aus allem zu schlagen. Schiller mutiert zu einem geschäftstüchtigen Mann, der sich nach und nach wirtschaftlich verbessert, zu Stand, Ansehen und Ehren kommt und seine Chancen überall zu nutzen weiß. Seine schriftstellerische Leistung bleibt davon unangefochten.

Das hübsche bibliophile Werk ist von hohem Interesse und amüsantem Unterhaltungswert. Die lustigen Zeichnungen betonen noch die Komik im Verhalten des Schlawiners Schiller. Herausgegeben und mit erklärenden Zwischentexten versehen ist das Buch von Christiana Engelmann.

Im Anhang gibt eine Zeittafel Auskunft über die Lebensdaten des Schriftstellers. Besonders zu loben ist eine Lebenshaltungskostenaufstellung um 1800.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (1):

  • 5.0000/5 Sterne.

Leserbewertung (0):

  • Momentan 0/5 Sterne.

Ihre Bewertung:

  • Momentan 0/5 Sterne.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5