Submarino

von

Roman

Aus dem Dänischen von Günther Frauenlob

380 Seiten (gebunden)
Tropen

Erscheinungsdatum: 31.08.2009

ISBN: 9783608501056

Rezension von

Verfasst am: 18.08.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Geht unter die Haut

Nick wohnt nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in einem Wohnheim, das nur als vorübergehende Bleibe dienen soll. Sein Leben kann er nicht in normale Bahnen lenken. Stattdessen verbringt er viel Zeit in einem Fitnessstudio, treibt sich in der Stadt herum und trinkt. Sein älterer Bruder ist alleinerziehender Vater eines vierjährigen Jungen und Heroinabhängig. Er schwankt zwischen seiner Sucht und seinem Sohn ein normales Leben bieten zu können, wie es die anderen Kinder im Kindergarten führen. Allerdings ist da dieses berühmtberüchtigte Stolpersteinchen, das sie zu Fall bringt.

Den Erstlingsroman von Jonas T. Bengtsson habe ich nicht gelesen, aber dieser hier hat mich gepackt und obwohl ich ihn schon vor einiger Zeit aus den Händen gelegt habe, bewegt und berührt er mich immer noch und wird mich so schnell auch nicht loslassen. „Submarino“ ist wirklich lesenswert.

Ich bin nicht immer ein Freund der Ich-Form, aber hier passt sie und die Geschichte der beiden Brüder hätte ansonsten nicht so ergreifend und schonungslos erzählt werden können. Vor allem dürfen Beide ihre Geschichte erzählen und der eine wird nicht von dem anderen übergangen. Der Schreibstil mag anfangs gewöhnungsbedürftig sein, aber vermutlich wird nur dadurch diese Intensität erreicht und man selber in den Bann der Geschichte gezogen. Es fühlt sich so an, als ob man selber dabei wäre, ganz nah an den Geschehnissen dran und sie miterlebt. Ich habe schon lang nichts mehr gelesen, daß mir so unter die Haut ging. Erst nach und nach offenbart sich einem die ganze Geschichte, aber manches bleibt einem nach wie vor unverständlich. Leider erfährt man nichts über den Vater der Brüder und die näheren Umstände, wieso sie in unterschiedlichen Heimen untergebracht waren.

Es ist kein Buch für Zwischendurch und für Schnellleser und wenn man das nächste Mal in der Stadt ist, wird man mit dieser Geschichte im Hinterkopf mit einem ganz anderen Blickwinkel durch die Straßen gehen. Insbesondere bei einem Aufenthalt im Stadtteil Nørrebro oder in einem Hotel, das in einer Seitenstraße der Istedgade liegt. Den Roman kann man gut und gerne noch ein zweites oder drittes Mal lesen.

Empfehlenswert für alle Kopenhagen-Fans und für diejenigen, die in Lebensschilderungen eintauchen wollen, mit denen sie ansonsten nicht in Berührung kommen.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (7):

  • 3.4286/5 Sterne.

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