Auf bald, Teheran

von

Sachbuch

320 Seiten (gebunden)
Piper Verlag

Erscheinungsdatum: 11.09.2009

ISBN: 9783492052276

Rezension von

Verfasst am: 05.09.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Nomadenstamm und Fürstengeschick im Persien des 20. Jahrhunderts.

Die Geschichte der Fürstentochter Azar ist abenteuerlich und zeigt das Gesicht des Irans, wie es sich seit hunderten von Jahren präsentiert.

1980 flieht Azar sie mit ihren beiden kleinen Töchtern nach Deutschland. Es ist höchste Zeit, denn bereits unter dem Schahregime und genauso nach dem Sturz des Schahs von Persien war ihre Familie in Ungnade gefallen, und einzelne Mitglieder des Clans mussten erneut Verfolgung, Folter und Haft befürchten.

Fürstin Azar Ghashghai entstammt einem sehr alten Nomadengeschlecht, in dem man stets für Freiheit und Unabhängigkeit des Landes gekämpft hatte und Traditionen in Ehren hielt.

Unübersichtlich und schwer zu begreifen sind die vielen Umstürze, politischen Wirren und Machtansprüche einzelner Gruppierungen, denen man in den langen Jahren seit Beginn des neunzehnten Jahrhunderts und davor im Iran ausgesetzt war.
1950, als Azar noch ein Kind war, kämpfte der englische Geheimdienst zusammen mit dem CIA der Amerikaner um die Vormachtstellung im Iran, da man das gute teure Öl für eigene Interessen sichern wollte. Der damalige Schah Reza Pahlavi wurde zum Spielball der ausländischen Mächte, die ihn mit Versprechungen auf ihre Seite ziehen konnten.
Mossadegh war Premierminister und galt als antiimperialistisch. Er wurde 1953 gestürzt, und Zahedi, der Vasall der Amerikaner und Engländer, trat an seine Stelle.
Bis 1979 herrschte Schah Reza Pahlavi, der schließlich der iranischen Revolution von 1979 weichen musste. Er hatte mit Hilfe seines Geheimdienstes Savak mit unvorstellbarer Grausamkeit und Korruption geherrscht und auch die Familie Azars verfolgt, gepeinigt, eingekerkert und den rebellischen Bruder Azars ermordet. Mit Hilfe Khomeinis, der insgeheim den Gottesstaat plante, wurde zwar der Schah gestürzt; die Verhältnisse verwandelten sich aber schon bald in ein neues Terrorsystem. Jetzt begannen die Mullahs mit ihren strengen Regeln und rigidem Regierungsprogramm ihr Herrschaftssystem.

Anne Ameri-Siemens hat die Geschichte der Fürstentochter Azar Ghashghai aufgeschrieben.
Dabei zeigen sich die Stürme der politischen Querelen in immer neuem Gewand. Einmal sind es die Neuerungen des ersten Schahs, die dem Clan der Ghashghai mit scharfen Maßnahmen die Freiheit nehmen; dann wieder werden dem Land weltliche Veränderungen in Bezug auf Kleidung und Umgang aufgezwungen, die Traditionen vernichten und der heimischen Wirtschaft schaden. Der Clan der Ghashghais gehört zu den Widerständlern gegen das Schahregime.

Mit vielen Detailkenntnissen wartet Azar Ghashghai auf. Sie sind verwirrend und in ihrer Vielfalt kaum zu begreifen. Der Bericht ist sehr emotional gehalten, so dass man sich gelegentlich von den politischen Details überfordert fühlt. Trickreiche Manöver beherrschen die Szenen und lassen den Leser verwirrt mit dem Eindruck absolut korrupter und schwer durchschaubarer Herrschaftsverhältnisse zurück.

Die Geschichte der Nomadentochter zeigt die Zerrissenheit eines Landes, das unter wechselnden Machtverhältnissen zu leiden hatte und nach der Revolution von 1979 von einem Extrem ins andere geriet.

Die großen politischen Zusammenhänge werfen ihre langen Schatten auf das Geschick der Fürstentochter und überlagern den privaten Charakter ihrer Geschichte. Ganz zuletzt erst erkennt man die totale Vernichtung eines ganzen Völkerstamms und damit auch ihrer Kultur, ihrer Bindungen und Traditionen. Der islamische Gottesstaat ist zum Horror vieler Bürger des Irans geworden.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (1):

  • 5.0000/5 Sterne.

Leserbewertung (0):

  • Momentan 0/5 Sterne.

Ihre Bewertung:

  • Momentan 0/5 Sterne.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5