Verbrechen

von

Stories

208 Seiten (gebunden)
Piper Verlag

Erscheinungsdatum: 19.08.2009

ISBN: 9783492053624

Rezension von

Verfasst am: 14.09.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Eine erschreckende Realitätbeschreibung

Das menschliche Miteinander ist strukturiert durch moralisches Verhalten und dem Gesetz. Ferdinand von Schirach beschäftigt sich in seinen elf Geschichten mit Menschen, die aus dem Rahmen fallen. Einige seiner Mandanten begingen noch nie eine Straftat, andere verstoßen ständig gegen Regeln. Einige Handelsweisen der Protagonisten kann der Leser nachvollziehen, andere bleiben für ihn unakzeptierbar. Eines haben alle Figuren gemeinsam. Jeder einzelne seiner Mandanten hat gegen das Gesetz verstoßen und ist auf die Hilfe eines Verteidigers angewiesen.

Der Leser erfährt nicht nur von der Straftat, sondern auch die Hintergrundgeschichte und die Beweggründe der Angeklagten. Beim Leser verschiebt sich dabei die Sichtweise auf Schuld und Strafe. Ein Mann ist nicht länger der schuldige Mörder, sondern ein jahrelange unterdrückter Ehemann, der tagtäglich von seiner Frau tyrannisiert wird. Das bestohlene Opfer wird selbst zum Mörder. Eine Brudermörderin ist lediglich eine liebende Schwester, die ihren Bruder erlösen will. Der jüngste, dummgeglaubte Sohn ist hochintelligent und rettet damit seinen Bruder. Ein bedrohter Mann tötet seine Angreifer aus Notwehr. Jeder Schuldige hat seine Gründe zu Handeln. Die einzelnen Mandanten haben für sich richtig gehandelt. Das zu verstehen ist eines der Schwierigkeiten die das Buch mit sich bringt. Der Leser beginnt über die Menschen nachzudenken. Warum sind sie so geworden? Was für eine Lebensgeschichte lässt sie gegen das Gesetz verstoßen? Denn die Vergangenheit spielt bei jedem eine Rolle. Vorschnelles urteilen ist hier nicht immer angebracht.

Mich hat jede einzelne Geschichte bewegt und erschreckt. Ich habe sowohl mit den Opfern als auch mit den Tätern gefühlt. Die einzelnen Stories sind in einem passenden Stil geschrieben. Nicht zu ausgeschmückt, dass man die Wahrheit der Geschichte anzweifelt. Der Berichtcharakter der Rechtssprache bleibt, ist aber in eine Allgemeinsprache gehalten, die jeder versteht. Die Texte bekommen durch diese romanartige Realitätsbeschreibung ihre eigene Klangfarbe.
Elf Stories die uns über unsere Mitmenschen nachdenken lassen. Denn Schuld ist nicht gleich Schuld.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (6):

  • 4.3333/5 Sterne.

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