Mein Abschied vom Himmel

von

Autobiographie

320 Seiten (gebunden)
Fackelträger

Erscheinungsdatum: 03.09.2009

ISBN: 9783771644192

Rezension von

Verfasst am: 17.09.2009

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Die Suche nach dem richtigen Gott und damit dem Halt in der Welt.

Als der junge Ägypter Hamed Abdel-Samad 1985 auf dem Flughafen in Franfurt/M. landet, ist er voller Hoffnung und Zuversicht auf sein Leben in Deutschland.
Bald aber muss er feststellen, dass einem auch in Deutschland die gebratenen Tauben nicht in den Mund fliegen. In einer recht depressiven, wenig zukunftsfreudigen Haltung berichtet Hamed Abdel-Samad über seine ersten Eindrücke und sein Leben in Deutschland, das ihn in eine wenig Erfolg versprechende Ehe mit einer viel älteren Frau führt.
Daneben versucht er sich mit einem Studium und verdient sein Geld in einer Kraftfahrzeugwaschanlage.

In der Gegenüberstellung seines Heimatlandes, dessen Sitten, Gebräuche und Lebensformen mit den von ihm erwarteten Fortschritten des Landes, das er sich zum Gastland auserkoren hat, kann man bald schon erkennen, dass er weder dem einen Land noch dem anderen viel Gutes abgewinnen kann.
Der Bericht ist einem an sich selber zweifelnden und aus allen Bezügen heraus gefallenen Mannes geschuldet, der alle Orientierung verloren zu haben scheint. So sind seine Bilder eher schwarz gefärbt, denn hoffnungsfroh.

Er studiert eher nebenbei, fühlt sich nirgendwo glücklich und zu Hause und startet eine Abrechnung mit seiner Kindheit, in der ihm mehrfach Gewalt angetan wurde.
Die eigene willkürlich und unverständlich erlebte Beschneidung und die seiner Schwester lösten Widerstand und Abwehr in ihm aus.
Nachdem er schon einige Zeit in Deutschland gelebt hat, scheitert seine Ehe und er hat wiederholt Angstzustände zu bewältigen. Sexuelle Not ist einer der Gründe für seine Ängste.
Als gestörte Persönlichkeit landet er zu Zeiten in einer psychiatrischen Klinik, in der er zwar Medikamente aber keine seelischen Hilfen finden kann. Er reist nach Japan, immer auf der Suche nach der richtigen Lebensform und einem Glauben, der ihn erlösen könnte. Eine neue Frau und neues Glück bei einer Halbjapanerin befreien ihn vorübergehend aus seinen Nöten. Am Ende entschließt er sich zu einer weiteren Behandlung und dem Schreiben seiner Autobiographie.
Bemerkenswert ist die Suche eines Moslems, der in seinem Glauben den Halt verloren hat und keinen neuen finden kann. Als hoch begabter, sehr sensibler und feinfühliger Charakter ist er früh mit dem System der Familienordnung in Ägypten in Konflikt geraten und konnte sich in der Welt keinen Platz sichern. Vorgesehen war für ihn vom Vater die Berufung zum Imam.
Er schwankt zwischen verschiedenen Lebensformen und Welten hin und her und leidet doch zutiefst innerlich an einem eigenen Mangel an Standortbestimmung.

Er bezeichnet sich selber als Teil eines Konflikts zwischen “Ambivalenz, Dogmen und Vernunft; Monokultur und Vielfalt.” Er sieht diesen Konflikt nicht alleine als Problem des Islams.

Seine Autobiographie bietet Einblicke in die tiefen Schichten seiner Psyche bei gleichzeitig hoher Fähigkeit, die kulturellen und religiösen Konflikte auszumachen und als Zeit- und Gegenwartsprobleme zur Diskussion zu stellen.

Heute arbeitet er am Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität in München und steht unter Polizeischutz, da er mit seiner kritischen Haltung dem Islam gegenüber gefährdet ist.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (1):

  • 4.0000/5 Sterne.

Leserbewertung (51):

  • Momentan 4/5 Sterne.

Ihre Bewertung:

  • Momentan 0/5 Sterne.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5