Submarino

von

Roman

Aus dem Dänischen von Günther Frauenlob

380 Seiten (gebunden)
Tropen

Erscheinungsdatum: 31.08.2009

ISBN: 9783608501056

Rezension von

Verfasst am: 29.09.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Zwei Brüder, die eigentlich keine sind, leben im Suff auf und kennen nichts anderes als Drogen, Gewalt und Diebstahl. Der eine gerade aus dem Gefängnis entlassen und aggressiv, der andere ein Heroinjunkie und allein erziehender Vater. Ein Abriss zweier Lebensgeschichten gegenüber gestellt und verknüpft…

Bengtsson zeigt in seinem Roman “Submarino” keine schönen Seiten seines Landes, vielmehr das geheime. Das, was in jeder Stadt passiert, wovor wir aber die Augen verschließen. Denn damit sind zumindestens wir nicht aufgewachsen. Wir kennen keine drogenabhängigen Eltern, die um Pillen betteln gehen oder den Genuss von Kiwilikör im zarten Alter von neun oder zehn. Das Buch reißt einen teilweise mit in die Depression.

Nick, der Ex-Knacki, ist fortwährend aggressiv und lässt seine Wut im Fitnessstudio aus. Um überhaupt eine Aufgabe in dieser trostlosen Welt zu haben, nimmt er sich Ivan an, dem Bruder seiner Ex-Freundin Ana. Er sucht ein Ventil, in das er seine negativen Gefühle umwandeln kann. Ivan wird ähnlich wie sein Ziehkind und es gab Momente, in denen ich es toll fand, dass Nick doch noch eine Aufgabe gefunden hat.

Der andere Bruder hingegen hat bereits einen Sohn und muss sich nicht erst einen Suchen. Seine Freundin, komplett high vor ein Auto gelaufen und tot, lässt ihn mit dieser Verantwortung alleine. Wenn die Super-Nanny das Verhalten des Vaters analysieren müsste, würde sie, so glaube ich, sagen, dass er durch die vielen Geschenke versucht, seinen Sohn ruhig zu halten. Er muss das äußere Erscheinunsbild wahren. Trotzdem ist er ein sehr liebevoller Vater und kümmert sich gut um Martin. Er spielt mit ihm, lobt ihn, wo er kann und nimmt ihm Ängste. Er ist immer für ihn da.

Bentsson schaffte es bereits, mich in der Leseprobe zu reizen. Doch dass das Buch einen so deprimieren kann, hätte ich nicht gedacht. Dies ist kein Märchen von dem Ex-Knacki, der plötzlich einen guten Job kriegt, weil er die zündende Idee hat oder von dem Junkie, der einen Entzug durchmacht.

Nein, dies ist ein unverhülltes Portrait zweier Brüder, die es nicht besser wissen können und denen auch keine helfen wird. Vielleicht werden manche sagen: Das ist doch deprimierend, keine schönen Szenen … Ich denke vielmehr, dass Bengtsson uns mal gezeigt hat, was wir überhaupt an unseren Eltern haben. An unseren Freunden, Verwandten, Bekannten. Unserem Bildungssystem. Selbst Ivan, der als Wunderkind galt, fällt so stark zurück, dass er seine eigene Sprache nicht mehr richtig weiß.

Fazit: Bengtsson ist ein Schriftsteller, der sich wirklich treu bleibt und nicht wild konstruiert. Aber er hat auch ein Buch geschrieben, was einem im Nachhinein noch im Kopf herum geistert und sich Gedanken darum macht. Er hat mit dem Schluss eine formvollendete Punktlandung geschafft, von dem man sich nicht zu viel erhoffen darf. Für Menschen, die lieber fröhliche Bücher lesen, ist dies ein krasses Gegenteil. Aber man sollte es gelesen haben. Und auch nur, wenn man es sich ganz durch gelesen hat, dann, und auch nur dann, kann man sich eine Meinung bilden.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (7):

  • 3.4286/5 Sterne.

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