Kalter Süden

von

Kriminalroman

Aus dem Schwedischen von Anne Bubenzer, Dagmar Lendt

528 Seiten (gebunden)
Ullstein

Erscheinungsdatum: 14.08.2009

ISBN: 9783550087516

Rezension von

Verfasst am: 29.09.2009

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Annika Bengtzon ist Journalistin beim Abendblatt und scheut nicht davor zurück, sich mit einem Gasmord an der Costa del Sol auseinander zu setzen. Viel mehr recherchiert sie weiter, als ihr Chef sie schon längst woanders einsetzt. Bei ihren Recherchen deckt sie Fatales auf und gerät so in den Sog der Kriminalität…

Erzählstil:

Marklund schreibt sehr flüssig und anschaulich. Der Leser konzentriert sich durch ihre Erzählweise nicht nur auf die Haupt- sondern auch die Nebensätze, in denen viele Informationen stecken. So entgeht dem Leser nichts auf der Spurensuche Bengtzons und er kann mit ermitteln. Marklund arbeitet ihre Charaktere während der Geschichte weiter aus und gibt ihnen ein Gesicht. Ihr Schriftbild ist klar aufgebaut und das Zusammenspiel der Schauplätze und Personen funktioniert einwandfrei. So ist der Leser angehalten, sich in die Geschichte hinein zu begeben, in die Welt Marklunds.

Meine Meinung:

Wie ich vielleicht schon einmal schrieb, bin ich nicht begeisterter Fan der nordischen Schriftsteller, doch Marklund hat mich mitgenommen: Auf eine Reise durch die Kriminalität sowie ihre Charaktere. Dabei ließ sie die Handlung nicht auf der Strecke, sondern schilderte auch von Annikas Problemen in der Partnerschaft. Annika: Ein Charakter, den Marklund mit Perfektion als unperfekt gestaltet hat. Schwierigkeiten bzw. Unsicherheiten mit Männern, eine tiefe Liebe zu ihren Kindern sowie ihre schriftstellerische Ader/Spürnase kommen realistisch und verständlich hinüber. Sie ist keine ausgeflippte Karla Kolumna oder eine hitzige Person, die anderen Menschen vor den Kopf stößt. Vielmehr hat Marklund eine Annika mit Einfühlungsvermögen auf hoher Vertrauensbasis geschaffen – ideal für die Herzen der Leser. Selbst, als sie von ihrem Chef aufgrund der Springer zur Rechenschaft gezogen wird, ergreift man als Leser die Partei und steht auf Annikas Seite.

Das Finale des Buches wird ausreichend geschildert und so fügt Marklund alles noch einmal für den Leser zusammen. Eine Eigenschaft, die ich bei Autoren mittlerweile sehr schätze. Eine Story, die sich im Nachhinein nicht erschließt, bringt selbst dem scharfsinnigsten Leser nichts. Und vor allem: Marklund lässt den Leser auf seiner Spurensuche nicht alleine! Sie schreibt immer wieder kleine Memos, die den Leser daran erinnern sollen, welche Personen nun wie zu einander stehen und warum/wodurch. Dies ist ein weiteres Highlight!

Insgesamt ist die Geschichte in sich schlüssig und mit vielen Hintergrundinformationen gespickt, doch leider etwas überladen mit den vielen Charakteren und Handlungssträngen (auch aus voran gegangenen Bänden), die nicht sehr weich ineinander fließen bzw. es mir schwer machte, mit zu kommen. Weiterhin muss man wohl die Vorgänger gelesen haben, um in die Story wieder herein zu finden. Mir, als Erstleser, machte Marklund das etwas schwierig und gestaltete es beinahe so, als sei es selbstverständlich, dass ich bereits Leserin ihrer Bücher bin. Der Grund, warum ich einen Stern abziehe.

Fazit:

Vielleicht bin ich kein richtiger Fan geworden, dennoch hat mir dieses Buch keine Zeit geraubt. Nein, es hat mir vielmehr Zeit gegeben, darüber nachzudenken, wie es ist, als Alleinerziehende geschiedene Frau einen großen Fall zu lösen. Zeit darüber nachzudenken, was für einen tollen Charakter Marklund erfunden hat. Ich bin in die Welt Annikas aufgenommen worden und fühlte mich nicht als Gast sondern wie eine gute Freundin. Marklund ist – nicht zu unrecht – in die Riga der Top-Autorinnen aufgestiegen und das kann ich nur bestätigen!

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (8):

  • 3.7500/5 Sterne.

Leserbewertung (1):

  • Momentan 3/5 Sterne.

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