Strahlend schöner Morgen

von

Roman

Aus dem Amerikanischen von Henning Ahrens

592 Seiten (gebunden)
Ullstein

Erscheinungsdatum: 14.08.2009

ISBN: 9783550087677

Rezension von

Verfasst am: 29.09.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Old Man Joe, der Trinker und Obdachloser. Dylan und Maddie, zwei Jugendliche Ausreißer. Amberton, der berühmte Filmstar, homosexuell. Esperanza, die Auswanderertochter. Alle leben sie in L. A., der Stadt mit dem Pflaster, dass Träume wahr werden lassen soll…

Erzähl-/Schreibstil:

Wer bereits “Tausend kleine Scherben” gelesen hat, kommt hier in den Erzählstil schnell wieder hinein. Wer Frey zum ersten Mal liest, wird ein wenig verwirrt sein: Die wörtliche Rede ergießt sich aus einem Schwall von Wörtern und wird nur kurz angedeutet, mit z. B. XY spricht. Frey schreibt sehr eingehend und wiederholt für sich und den Leser Dinge, die ihm besonders wichtig sind. Der Leser erhöht so seine Konzentration und folgt Freys Gedankengängen. Frey schreibt abwechselnd einzelne Geschichten und kommt dann wieder auf seine Protagonisten zurück. So gerät keine Information in den Hintergrund und Frey bringt dem Leser durch historische Fakten L. A. sehr viel näher, als ein Reiseführer es je täte.

Meine Meinung:

Seit ich letztens “Tausend kleine Scherben” gelesen habe, habe ich mich in Freys Stil verliebt. Er schreibt zum Greifen nah für die Leser und hinter jedem Wort steht eine Bedeutung, die sich durch den Satz entschlüsseln lässt. Er hat mir L. A. so nah gebracht, wie noch keiner. Die historischen Einschübe, die traurigen, aber auch witzigen Wahrheiten waren abwechslungs- und lehrreich. Ich konnte Frey gut folgen und mein Interesse wuchs mit jeder Seite.

Am Anfang schlenderte Frey gemütlich in seine Geschichte hinein und wartete mit ein paar Erzählungen außer der Reihe auf. Mit Einzelschicksalen, die er dem Leser näher bringen wollte. Auch fing er an, die Umstände seiner Protagonisten zu erklären. Am Anfang hatte ich das Gefühl, vielleicht doch nicht in die Geschichte hinein zu kommen, wurde von Frey aber eines besseren belehrt und war geschockt, dass so viele junge Leute Gewehre kaufen oder dass es so viele Menschen gibt, die ihr Schicksal nicht beeinflussen konnten.

Es gefiel mir gut, dass Frey den Bogen zwischen Erfolg und Misserfolg in L. A. gespannt halten konnte und auch ein paar Seiten einfach nur Namen aufgeschrieben hat, durch diese man sehen konnte, wer seinen Traum nicht verwirklichen konnte. Dies gibt einem zu denken: Immer, wenn man von L. A. spricht, sehen wir Glamour und Stars vor unserem inneren Auge und nicht die zahlreichen Gangs, die Rassenfeindlichkeiten und die armen Leute, die einfach keinen Rum mehr erwarten dürfen. Doch auch die Touristen sind wichtig für L. A. wie Frey eingehend beschreibt, denn sie lassen jährlich mehrere Milliarden Dollar in der Metropole.

Die Geschichten schließlich, die er um die eingangs genannten Personen gestrickt hat, sind so eingängig und sehr normal, dass man eigentlich vermuten muss, es gibt diese Personen wirklich. In irgendener Form tun sie es mit Sicherheit und sie warten heute noch auf Antworten oder ein Zeichen. Ich habe mit ihnen gelitten, geweint, war aber auch geschockt von Ambertons Verhalten. Frey zeigte mir, dass ich wohl mit den Protagonisten fühlen kann, aber auch akzeptieren muss, was die Zeichen der Zeit mit ihnen gemacht hat.

Schlussendlich die kurze Zusammenfassung über Perez Hilton zeigt, dass man auch als Homosexueller durchaus anerkannt werden kann. Besonders, wenn man über in oder out, peinlich oder stilgerecht entscheidet. Ich musste schmunzeln über diese kleine Passage, denn nun kann ich nach empfinden, dass auch diese Lebensgeschichte, mal eine Leidensgeschichte war.

Frey bleibt einer meiner TOP-Autoren. Ich liebe seinen Stil und seine Kraft, Leuten etwas durch seine Bücher beibringen zu wollen. Dieses Buch erzählt über Scheitern und Träumen, aber auch über das ewige Nichterreichen des Rums. Es erzählt die Entstehungsgeschichte L. A.’s und seinen Menschen, die nach dem American Dream greifen möchten. Doch manchmal sind die Arme zu kurz.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (6):

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