Ein Wunder geschieht in einem kleinen Dorf in Irland: Scheinbar ist Jesus auferstanden. In der Duiske Abbey stürzt er von einem Kreuz. Von den Nägeln in Hand und Fuß bis hin zur Dornenkrone wurde an alles gedacht. Die Katholiken sehen dem nicht ganz gelassen entgegen. Zur Aufklärung dieses Falls schicken sie ihren “Spezialagenten” nach Irland: Hester McAteer, der sogar mit Heimvorteil aufwarten kann…
Erzähl-/Schreibstil:
Ralf Isau schreibt sehr hochgestochen und wortgewandt, doch leider immer etwas zu sehr “um den heißen Brei”. Er zitiert viele Bibelstellen und nimmt sich auch nicht den Vorteil, dem Leser ein paar grundlegende Dinge in Latein beizubringen. Er wählte seinen Erzählstil dennoch sehr rasant, so dass der Leser nicht müde wird, über diese trägen Stellen hinwegzusehen. Manche Sachen bringt er auf den Punkt, wieder andere lässt er im Dunkeln.
Meine Meinung:
Die Lektüre währte nur kurz: Innerhalb von zwei Tagen hatte ich dieses Spektakel durchgelesen. Leider muss ich einen Stern abziehen. Warum? Das werde ich so gleich erläutern.
Mit Hester hat Isau einen sehr unnahbaren Charakter erfunden: Er verlangte nach seinern verflossenen Liebe und wurde ganz blind vor lauter Gefühlen. Leider ist mir der Charakter aber so nicht näher gekommen. Man hat ihn als liebender Vater nicht in Gänze kennen gelernt. Da waren die anderen Charaktere schon viel zugänglicher. Leider konnte ich so, was für mich persönlich sehr wichtig ist, mit dem Hauptprotagonisten nicht warm werden.
Weiterhin ist das Ende viel zu laaaaang: Isau muss mehr kürzen und Dinge auf den Punkt bringen! Ich möchte nicht ewig von Bibelstellen oder kirchlichen Rangordnungen lesen, sondern mehr von der Geschichte und deren Charaktere erfahren. Kurzum: Zuviel Bibel, zu viel Umständliches am Ende.
Warum ich dennoch begeistert war: Die Story war für mich sehr neu und ich wollte immer und immer wissen, was jetzt jetzt Lug und Trug und was sogar Wahrheit war. Die kleinen Wunder des Seamus Whelan, Hesters Vater (der mir sehr sympatisch geworden ist), erheiterten mich und manchmal habe ich diese kleine Lücke, in der Isau Wunder wahr werden ließ, sehr begrüßt. Vielmehr ist Seamus herausgestochen, als sein eigener Sohn.
Die Charaktere waren aufeinander abgestimmt und so hatte jeder seine feste Rolle in der Handlung. Sogleich am Anfang des Buches wurde dem Leser erzählt, was für eine Last auf Seamus’ Schultern lag, was ich sehr schön fand, denn so konnte man mitfiebern und sich an diese Bürde erinnern. Weiterhin ist es sehr gut von Isau gewesen, am Anfang direkt den Verdächtigen einzustreuen, so dass man nur noch Hesters Gedankengängen folgen musste.
Fazit:
Ralf Isau hat für mich – als Dan Brown-Gegner – doch noch die Wirrungen und Irrungen der Kirche näher gebracht und gezeigt, das die Kirche immer wieder mit solchen Dingen konfrontiert werden kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass es einen ähnlichen Hester McAteer gibt, der schon wieder dabei ist, ein neues “Wunder” als Scharlatanerie aufzudecken.
