Ausgewählte Briefe

von

Briefe

Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow

420 Seiten (gebunden)
Dörlemann Verlag

Erscheinungsdatum: 23.09.2009

ISBN: 9783908777502

Rezension von

Verfasst am: 29.09.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Die wenig bekannte, eindrucksvolle und interessante, schöne Martha Gellhorn: ein Lebensporträt in Briefen.

Martha Gellhorn war eine leidenschaftliche Kriegsreporterin, die aus halbjüdischem Elternhaus stammte.
Sie wurde 1908 in St. Louis/ Missouri geboren. Ihr Vater war ein sehr bekannter und erfolgreicher Arzt, der aus Breslau nach Amerika eingewandert war, die Mutter eine glühende Frauenrechtlerin aus St. Louis. Zusammen mit den vielen Brüdern bildeten sie eine glückliche Familie, von der Martha zu sagen pflegte “glückliche Familien haben keine Geschichte.”

Unabhängig davon wurde Martha eine sehr eigenwillige, selbst bestimmte Frau, die früh ihrer Wege ging. Als schöne und kühne junge Frau wurde sie von vielen Männern begehrt und hatte zahlreiche Affären. In erster Ehe mit Hemingway verheiratet hielt sie es doch nie lange aus, weder an einem Ort, noch mit einem Mann.
Sie reiste durch Europa und die ganze Welt, pflegte Kontakte zu Schriftstellern, zu Eleanore Roosevelt, deren Leibarzt, zu Publizisten, Diplomaten und vielen bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten. Ihr zweiter Mann, der Time – Chefredakteur Tom Matthews warf ihr einmal zornig vor: “Du kennst nur Schlagzeilen – Menschen.”

Im spanischen Bürgerkrieg entdeckte sie ihre Reporterleidenschaft und schrieb für horrende Honorare Kriegsberichte aus aller Welt und von allen Krisenherden der Erde. Unruhig und chaotisch kam sie nie zur Ruhe, fand erst spät zu einer realitätsgerechten Selbsteinschätzung und blieb zeitlebens eine Nestbauerin, die zugleich wieder dem Nest entfloh.
In ihren Briefen entdeckt man die nachdenkliche und unruhige Frau, die sich selbst ständig in Frage stellte und ihre eigenen Fähigkeiten erst spät erkannte.
Sie wurde keine berühmte Schriftstellerin, wohl aber eine angesehene Reporterin. Die Briefe zeigen sie in einem Selbstfindungsprozess mit trotzigem Willen, ihren Weg zu gehen, den sie auch den Eltern gegenüber verteidigte. Beide Eltern hielten trotz Meinungsverschiedenheiten immer zu ihr, und besonders die Mutter wurde ihre wichtigste Bezugsperson, der sie sich vorbehaltlos anvertraute.

In sehr anrührenden Briefen schreibt sie im Alter über die Beziehung zwischen Männern und Frauen, die sie nüchtern, witzig und lakonisch analysiert. Ihr Alter umreißt sie mit heftigen Worten der Anklage über ihre äußere Hässlichkeit, mit der sie sich nicht abfinden will und auch nicht mit dem Verlust von Tagträumen. Früher hätten ihr diese sogar die Bücher ersetzt, heute könne sie ohne diese nicht mehr leben.
In kurzen Zwischentexten werden ihre Briefpartner und die jeweilige Lebensphase erklärt, so dass man zusammen mit dem Briefwechsel und einem Nachwort von Sigrid Löffler ein rundes Lebensbild von Martha Gellhorn erhält.

Dem Dörlemann Verlag ist mit der Herausgabe der ausgewählten Briefe die Wiederentdeckung einer beachtlichen Schriftstellerin gelungen, deren Lebensform für das 20. Jahrhundert bedeutsam war. Ihre exzentrische Lebensart, das aufregende Leben, das reich an Begegnungen und von Abenteuerlust und Unerschrockenheit gekennzeichnet war, zog unzählige Menschen in Bann. Zugleich wurde sie zum Prototyp der aufgeklärten und emanzipierten Frau, die sich keinen Konventionen beugte und auf ihrer Selbstbestimmung bis in den Tod bestand!

In ihren Briefen findet man sie so wieder, wie sie hier beschrieben ist: lebendig, offen, freimütig, leidenschaftlich und klar. Man kann das Buch nur empfehlen!

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