Rezension: Der einzige Mann auf dem Kontinent

Schöne, traurige und arglistige neue Welt!
Darius Kopp ist ein Technikfreak.
Er ist Informatiker und vertritt als einziger auf dem Kontinent eine amerikanische Firma für kabellose Netzwerke.

Er ist Deutscher und Ossi, eine Kombination, die ihn nicht gerade zu einem Liebling unter den ausländischen Kollegen macht. Als ihm ein englischer Chef vor die Nase gesetzt wird, ist er ganz schön ärgerlich. Er wird dazu verdammt, ausstehende Gelder von Kunden einzutreiben, eine Arbeit, für die er sich bisher nicht zuständig fühlte. Ein Armenier bringt ihm einen Koffer voll Geld, weniger, als er der Firma schuldet, aber immerhin… Nun weiß Kopp nicht, wie und wo er das Geld unterbringen soll. Niemand von seiner Firma ist zu erreichen, weder per Telefon noch per E-Mail.

Irgendwie bekommt Darius Kopp so recht nicht mit, dass wir uns alle mitten in einer globalen Krise befinden. Seine Frau ist eine zarte Seele, die ihren Träumen von einem besseren Leben nachhängt. Er seinerseits isst, und isst, und isst und wird immer dicker,—Ausdruck seines unbewussten Frusts?

Ein Wochenende verbringen sie im Wochenendhaus einer Freundin. Sie liebt den Wald und das Wasser, die Stille und die Geräusche der Natur. Er ist eher hilflos ohne Telefon, Fernsehen und seinen Laptop. Er verkörpert ganz die neue Zeit und kann mit der Stille der Nacht und der Natur nichts anfangen. Spannungen zwischen ihm und Flora treten unmerklich in den Fokus.

Eine Woche im Leben des Darius Kopp zeigen ihn als an sich selber irre werdenden, die Realität verleugnenden, seine Frau liebenden und zwischen seinem beruflichen Chaos und der wahren Geschäftswelt hin und her irrenden Zeitgenossen, der sich an das klammert, was ist. Die Wirklichkeit ist ihm zuwider, und so träumt er sich weiter in die Rolle des erfolgreichen und geliebten Mannes,—dabei ist seine Frau Flora drauf und dran, ihn zu verlassen.
Der Roman verkörpert Zeitgeschichte, wie sie besser nicht dargestellt werden kann. Gibt es doch diese Abhängigkeiten und Unwägbarkeiten in der Welt der Manager und Erfolgreichen, die zu Opfern ihrer eigenen Vorstellungswelt werden und nicht fassen können, dass alles ganz anders ist.
Nicht jeder wird sich in den Lebenskonflikt des Protagonisten einfühlen können, doch fängt Terézia Mora die Welt ein, wie sie sich für viele Vierzigjährige heute darstellt.

Ein aufwühlender und bemerkenswerter Roman ist der erfolgreichen Autorin Terézia Mora mit ihrem neuen Roman gelungen.

Verfasst von Claudine Borries am 08.10.2009.

 

 

 

Bookreporter
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Buchinfos

Der einzige Mann auf dem Kontinent

Verlagsgruppe Random House


Der einzige Mann auf dem Kontinent

Roman

384 Seiten (gebunden)
Luchterhand Literaturverlag

Erscheinungsdatum:
17.08.2009

ISBN: 9783630872711


Nutzerbewertung:
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