Ich bin der letzte Jude

von

Autobiographie

160 Seiten (gebunden)
Piper Verlag

Erscheinungsdatum: 01.11.2009

ISBN: 9783492053358

Rezension von

Verfasst am: 05.11.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Zum Sterben verdammt

Es bedarf starker Nerven, um diesen Bericht aus dem Todeslager Treblinka zu lesen.

„Abgeschlossen ist die Zeit, da die Tage lebendig, kostbar und unwiederbringlich einander jagten, und die Zukunft steht grau und massig vor uns wie ein unbezwingbares Hindernis. Für uns ist die Geschichte stehen geblieben.“

Diese archaischen Worte Primo Levis stehen am Beginn eines Zeugenberichts, der schlicht, nüchtern, präzise und kalt auflistet, was den Menschen im Todeslager Treblinka angetan worden ist.

Der aus Polen stammende Jude Chil Rajchman ist einer der wenigen Menschen, die das Lager Treblinka überlebt haben. Er hat das Jahr 1942 – 1943 im Lager verbracht. Nach dem Häftlingsaufstand von 1943 und seiner sensationell gelungenen Flucht hat er unmittelbar über seine Erlebnisse klare und eindeutige Aufzeichnungen verfasst.
Die meisten Berichte von Überlebenden sind Jahre nach dem Holocaust im Rückblick aufgezeichnet worden. Nicht so Chil Rajchmans Bezeugungen von einem Unrecht, das unfassbar und nicht vorstellbar in seinen Dimensionen ist.

Niemand wird verstehen können, was in den Mördern und Henkern und was in den Opfern vor sich ging.
Der Sadismus und die Grausamkeit der Mörder zeigt die Entartung des Menschen, der alle Errungenschaften der Zivilisation und des Menschseins aufgegeben hatte. Die fabrikmäßige „Entsorgung“ jener, die aus der Gesellschaft laut Deklaration des Hitlerregimes ausgeschlossen wurden, weil sie der Gattung des Menschen als „nicht mehr zugehörig“ erklärt wurden, ist mit der uns zur Verfügung stehenden Sprache nicht zu beschreiben. Chil Rajchman hat es gewagt, und seine Berührung mit der Hölle wird zu einem überzeugenden und bleibenden Zeugnis dafür, wie sehr Menschen dem Bösen anheim fallen könnten.

Niemand mag zu verstehen, und niemand vermag zu sagen, wie es zur Degeneration einer ganzen Gesellschaft kommen konnte, in der sich deren Mitglieder bar jeder Menschlichkeit zu Mördern, Sadisten und grausamen Vollstreckern des Aburteilens ganzer Ethnien und besonders der Juden hergeben konnten.

Mehr kann man zu diesem Buch nicht sagen, denn es nimmt einem den Atem und raubt einem die Stimme!

Zeitgleich in elf Ländern erscheint diese zeitgeschichtliche Dokumentation, die bisher nur der engsten Familie bekannt war.

Migliedermeinung

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