Antwort aus der Stille

von

Erzählung

171 Seiten (gebunden)
Suhrkamp

Erscheinungsdatum: 21.09.2009

ISBN: 9783518421284

Rezension von

Verfasst am: 11.11.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Leben im Wandel von Krise und Neubeginn!

Vergleichbare Impressionen der Natur im Zauber eines Spätsommertages, wie wir sie in dieser kleinen Erzählung formuliert finden, sind kaum vorstellbar.
Das Licht, die Geräusche der Vögel, der Grillen und der in Wald und Flur und in der Bergwelt herrschende Friede finden beredt Ausdruck in diesem Frühwerk (1934) von Max Frisch. Er wollte es seiner Zeit nicht zu seinem Gesamtwerk zählen. Erst jetzt, mehr als siebzig Jahre später, ist dieser kleine Roman wieder zugänglich.

Der äußere Glanz der Naturbeschreibung steht im krassen Gegensatz zu dem inneren Aufruhr, den ein anfänglich noch unbekannter Wanderer bewegt. Er steht kurz vor seiner Hochzeit, als es ihn in die Berge getrieben hat. Hier sucht er im Kampf mit den Kräften der gewaltigen Natur nach Erkenntnis und Einsicht für sein weiteres Leben.
Seine Erinnerung zeigt ihn als einen stets nach dem Besonderen und Außergewöhnlichen Strebenden; nur nicht als gewöhnlicher “Bürger,” wie der Bruder im fernen Afrika, sein Dasein zerrinnen lassen! “Leben” im Kontrast zu “Dasein” sind die zwei Begriffe, an denen der Wanderer das wahre Leben festmachen will. Seine Verstörung bei der Selbstbetrachtung zeigt ihn als einen Zweifler und einen sehnsüchtig Hoffenden, der sich mit dem Ablauf eines ruhigen und in geordneten Bahnen verlaufenden Lebens nicht abfinden will! Stets war da die Erwartung an ein außergewöhnliches Leben als Künstler, Maler, Dichter oder Musiker. Er ist dreißig Jahre alt, und noch immer hat sich dieser Lebensentwurf nicht verwirklicht. Stattdessen ist er Lehrer geworden und plant die Hochzeit!
In den Bergen schließt sich ihm eine junge Frau, Irene, auf einer größeren Wanderung an. Sie ist naiv – unschuldig und frisch in ihrer Lebensauffassung, während er mit ihr die kniffligen Fragen des Lebens nach dem Woher, Wohin und Wozu erörtern möchte. Dass auch sie ernste Fragen zu beantworten wüsste, ahnt er nicht. Eine kurze Liebesnacht krönt diese Episode.

Der einsame Wanderer zeigt zu deutlich Züge Max Frischs, als dass man sie übersehen könnte. Man kann sich vorstellen, dass er die Rolle des Alter Ego nicht mochte, in der er hier erkennbar wird. Die Unrast und zweifelnde Suche zeugt von der Angst vor einem Durchschnittsleben, vor dem der Held der Geschichte davon läuft.
Die Erzählung steckt voller Symbolik, die auch in dem Kraftakt einer Bergbesteigung enthalten ist: Gipfel erklimmen, sich selbst überwinden und den Kampf mit den uns umgebenden Mächten wagen, verlieren oder gewinnen!
Wunderschön ist der Wechsel zwischen poetischen Landschaftsbeschreibungen und den reflektierend vorgetragenen Gesprächen und Gedanken von “Balz Leuthold”, dem Hauptprotagonisten der Erzählung!

Liebe, Untreue, Identitätssuche und die großen Fragen nach dem Sinn des wahren Lebens haben Max Frisch zeitlebens bewegt. Wir finden sie in allen seinen späteren Werken wieder, und sie haben die Stationen seines Lebens markiert.

Von den ersten Sätzen an fühlt man sich von der Schrift Max Frischs in Bann gezogen und kann sich seinen Ausführungen über die zweifelnden äußeren und inneren Weltbetrachtungen und Deutungen seines Helden nicht entziehen.

Lebenskrisen zu einem Neubeginn nutzen und Lebenschancen neben den Träumen von Freiheit und Unabhängigkeit zur Selbstverwirklichung einsetzen sind mögliche Thesen dieses kleinen Romans.

In einem Nachwort von Peter von Matt bekommt man Antworten auf Fragen nach biographischen Interpretationen.

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