Der Baum des Reisenden

von

Reisebericht

Aus dem Englischen von Manfred Allié, Gabriele Kempf-Allié

640 Seiten (gebunden)
Dörlemann Verlag

Erscheinungsdatum: 26.08.2009

ISBN: 9783908777458

Rezension von

Verfasst am: 09.12.2009

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Abenteuer und Lebenslust: eine Karibikfahrt zur guten Zeit.

Der Baum des Reisenden ist der Bericht über eine Fahrt durch die Karibik, die der engagierte Reiseschriftsteller Patrick Leigh Fermor mit seiner zukünftigen Frau Joan und einem Freund 1948 unternimmt. Er ist ein ehemaliger englischer SOE (Special Operations Executive) Agent im Zweiten Weltkrieg, wo er mutig in Erscheinung getreten ist.

Die karibischen Inseln sind Ziel seiner Neugierde, und er erobert sich buchstäblich eine Insel nach der anderen. Dabei sind die Fauna, das Klima, die Lebensart und die Gewohnheiten der Einwohner das Ziel seiner Forschungen. Die Einwohner der Inseln stammen von Einwanderern ab, oder aber sie sind die Abkömmlinge von ehemaligen Sklaven. Man hat nach der Entdeckung der Inselgruppe durch die Spanier, die nach Südamerika weitergezogen sind, bis dato unter französischer oder englischer Kolonialherrschaft gelebt. Die Menschen sind braun, schwarz oder weiß und man bezeichnet die Mischung aller Farben auch als Kreolen. Weite Passagen des Berichts ergehen sich in Naturbetrachtungen; so ist der „Baum des Reisenden“ auch eine Baumart, die nur in den Tropen wächst. Es gehört eine gute Portion Neugierde, Vorurteilsfreiheit und Ausdauer dazu, sich mit dem Leben auf diesen fernen Inseln vertraut zu machen. Sie lagen damals, in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, noch fernab vom Rummel eines heutigen Touristenstroms. Man konnte die Eigenheiten der Bewohner, ihre Lebensart und die Verschiedenheit, die jede Insel bot, als Einzelreisender sehr genau studieren. Einflüsse der europäischen Mutterländer waren allenthalben spürbar. Französische Küche und Viktorianische Lebensart gehörten zu den Auffälligkeiten von Fermors Beobachtungen. Ein Bericht des Lebens und Treibens auf den karibischen Inseln ist entstanden, das sich auf jeder Insel unterschiedlich darbot was Gesellschaft, Kultur und Besiedelung betraf. Einzelne Begegnungen weihen den Reisenden in die Geschichte der Inseln ein. Farbig und bunt ist der Reigen der Erfahrungen, die unser Held bei seinen Erkundungen macht. Erstaunlich ist die ausführliche und lange Berichterstattung, in der es weniger um Handlungsstränge als um ausdauernde Beobachtungen geht. Den Reisenden Fermor interessiert vom Essen über das Klima, die Gerichtsbarkeit, die Geschichte und den Umgang unter einander alles, was man über Insel und Leute erfahren kann. So detailreich sind seine Erzählungen, dass man als lesender Mitreisender sich ganz in das Leben auf den Inseln und in die Natur, die teilweise von gewaltiger Schönheit ist, vertiefen möchte.

Fermor hatte bereits vor dieser Reise eine Wanderung von Holland nach Konstantinopel unternommen, über die er in seinen beiden Büchern „Die Zeit der Gaben“ und „Zwischen Wäldern und Wassern“ Reiseberichte verfasst hatte.
Er ist ein feinsinniger und genauer Beobachter, so dass man sich ein rundes Bild aller seiner Begegnungen und Eindrücke machen kann. Wer selber gerne auf Erkundungsfahrten geht, der kann dies mit Patrick Leigh Fermor auf diese Weise versuchen!

Dem Dörlemann Verlag ist zu verdanken, dass er sich schon beinahe vergessener Autoren annimmt und sie mit einer Neuauflage einem breiteren Publikum zugänglich macht. Die Aufzeichnungen von P. L. Fermor sind bereits 1950 zum ersten Male erschienen. Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié haben das Buch nun erstmals ins Deutsche übertragen.

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