Rezension: Durch den Wind

Gibt es Verständigung zwischen Männern und Frauen?

„Und wann geht das Leben richtig los?“
Mit dieser Frage beschäftigen sich die Frauen im Hanser Verlag und holen die Stimmen einer Handvoll Mitarbeiter zum Thema ein.

Mit dem Satz: „ich dachte immer, die Dinge klären sich, wenn man älter wird. Und plötzlich ist man älter und es klärt sich gar nichts….“ endet eine Geschichte, in der es um das Lebensgefühl der Mittdreißigerinnen geht.
Da denkt man, man habe das Leben noch vor sich! Und wie sich zeigen wird ist man schon mitten im Thema, das sicher viele Frauen berühren wird.
Der Tenor des Romans dreht sich um die Frage: wie finde ich den richtigen Weg für das, was ich mir wünsche, weiß ich überhaupt, was ich mir wünsche, und kann ich ferner meine Träume, Vorstellungen und Hoffnungen realisieren? Auf der Suche bei diesem Vorhaben begleitet Annika Reich ihre vier Protagonistinnen.
Berlin und Tokio sind die Schauplätze, an denen man vier Frauen begegnet, die das Geschehen im Roman bestimmen. Sie stecken in einer Art Vor- „mitlifecrisis“, denn so langsam wird ihnen bewusst, dass sie sich ein festes Gefüge für die nahe Zukunft ersehnen. Will man Kinder haben, einen Mann oder die absolute Freiheit? Keine weiß es sicher.
Friederike kann ihren unruhigen Tom nicht halten; Alison lebt und darbt für ihren Victor, der sich ihr entzieht. Sie sehnt sich nach einem fiktiven Glück. Man weiß nicht, träumt sie oder wacht sie? Yoko hat sich für die Vielmännerei entschieden und betrachtet sich als emanzipiert. Von ihr stammt der nihilistische Satz: „ich lebe nicht, ich verbringe meine Zeit“. Siri hat alles, was man sich nur wünschen kann: sie ist schön, hat geliebte Großeltern, Sohn und Mann,—und sie kann ihr Glück nicht akzeptieren! Als ihre Großmutter nach 47 Jahren Ehe den Mann an ihrer Seite verlässt, gerät Siri ins Nachdenken, ob in ihrer Ehe nicht auch alles daneben geht.

Annika Reich beschreibt in ihrem Roman vier Frauenschicksale. Sie leben im Schatten unbefriedigender Beziehungen und enttäuschter Hoffnungen. Schwankend und auf tönernen Füßen führt uns die Autorin vor Augen, dass das Leben Weichenstellungen erfordert, die nicht jeder/jede zur rechten Zeit vornimmt.
Die Geschichte handelt von Paaren und von Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Es gibt zahlreiche Dialoge und doch merkt man, dass keiner dem anderen richtig zuhört oder ihn versteht. Das ist erschreckend: das schweigende Missverstehen, das unter den eifrigen Reden schlummert.

Annika Reich nähert sich dem Schicksal ihrer vier Frauen aus individueller Sicht und zeigt, wie schwer es ist, Glückserwartungen und Realität in Einklang zu bringen!

Ein leicht melancholischer Roman ist daraus geworden, der einen Zeitgeist umschreibt, mit dem Frauen aller Altersklassen sich beschäftigen mögen. Der Roman ist unterhaltsam, leicht zu lesen und kommt ohne tiefschürfende Analysen aus.

Verfasst von Claudine Borries am 03.02.2010.

 

 

 

Bookreporter
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Buchinfos

Durch den Wind

Hanser Verlag


Durch den Wind

Roman

336 Seiten (gebunden)
Hanser

Erscheinungsdatum:
08.02.2010

ISBN: 9783446235137


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