Soundtrack meiner Kindheit

von

Autobiographie

336 Seiten (gebunden)
Rowohlt

Erscheinungsdatum: 13.10.2009

ISBN: 9783498039332

Rezension von

Verfasst am: 17.02.2010

Bewertung:

  • 3/5 Sterne.

Kindheit unter sozialistischem Banner.

Der bekannte Schauspieler J.J.Liefers, vielen bekannt als Gerichtsmediziner in den WDR Tatortfilmen, hat ein Buch geschrieben. Etwas ambitiös bezieht er sich auf seine Bekanntschaft mit dem amerikanischen Schriftsteller Paul Auster, der ihn zu seinen Lebenserinnerungen ermuntert habe.
In einer Talkrunde meinte er, im Vollbesitzes geistiger Gesundheit Erinnerungen zu schreiben sei besser, als im höheren Alter Erinnerungsbücher über eine glorifizierende Vergangenheit zu verfassen.

Der Autor erinnert sich seiner Kindheit, denkt an Großmütter, Schule und geschiedene Eltern,—er führt ein Durchschnittsleben wie viele andere Jungen und Mädchen auch. Josef Liefers geht es darum, zu beschreiben, wie man als Jugendlicher in der DDR lebte: da gab es wie für alle jungen Menschen in der Welt Ideale, es gab Rocklegenden wie den bekannten Klaus Renft, man betrieb Unsinn in der Schule und lebte in beengten Verhältnissen. Großmütter und Urgroßmütter griffen der schauspielernden Mutter unter die Arme und insgesamt kann man sagen: Liefers hatte eine glückliche Kindheit! Keine Stasigräuel unterliefen das Leben. Die Eltern waren beide Schauspieler, der Vater Regisseur. Sie waren zufriedene und ausgeglichene Menschen, die trotz Scheidung gute Bedingungen für eine glückliche Kindheit boten. Dass Jan Liefer selber ein hervorragender Musiker war, der mit Bands durch die DDR tourte, ist sicher nicht jedem bekannt.

Auffälliges Merkmal der Erinnerungen ist Jan Liefers Gabe, die Dinge des Lebens nicht nur von der ernsten Seite zu betrachten sondern immer ein Stück Selbstironie neben der kritischen Reflexion in seine Betrachtungen einfließen zu lassen. Das macht das Buch unterhaltsam und gibt ihm einen eigenen Sound, der zum Titel passt: „Soundtrack meiner Kindheit“: es ist die dahin getupfte Skizze einer Kindheit und Jugend in der DDR. Man kannte dort nichts anderes als Leben unter der Fahne des Sozialismus, das war Normalität. Man richtete sich nach der Realität und nahm das eigene Leben nicht als so verschieden vom Leben anderer Jugendlicher in aller Welt wahr, wie man das gemeinhin aus westlicher Sicht heute annehmen möchte. Insofern ist Jan Liefers ein gelungener Beitrag zur Erfahrung über das Leben im anderen, uns fremden Teil Deutschlands gelungen. Er ist ein heiterer und witziger Unterhalter, besonnen und nachdenklich, ohne einem tragischen Ernst zu verfallen. Fotos aus allen Lebensphasen ergänzen seine Aufzeichnungen.

Wir haben es hier nicht mit einem anspruchsvollen literarischen Werk zu tun, sondern mit einer spontanen und warmherzigen Wiedergabe von Impressionen aus seiner Jugend in der DDR. Beim Fall der Mauer war Jan Josef Liefers 25 Jahre alt, und die Welt stand ihm fortan offen!

Migliedermeinung

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