Rezension: Dunkelziffer

Mit ziemlich hohen Erwartungen und mindestens ebenso großer Vorfreude habe ich den neuen Krimi von Arne Dahl angefangen.

Zu Beginn haben mich schon Kleinigkeiten begeistern lassen: Ein eingeklebtes Lesezeichenband macht das ewig verschwindende Zettelchen überflüssig, der Leser wird zu Anfang nicht von vielen leeren Seiten, Vorworten und Werbung erschlagen, es geht direkt los (und endet auch auf der letzten Seite) – perfekt. Dann muss doch nur noch der Inhalt stimmen!

Insgesamt hat der Krimi einen guten Spannungsverlauf, der aber erst auf den letzten 50 Seiten so richtig an Fahrt gewinnt (und ab dort kann man das Buch auch nicht mehr aus der Hand legen). Allerdings hatte ich ein wenig mehr erwartet, an zu vielen Stellen ging es dann doch ziemlich unspektakulär vorwärts. Das mag an vielen Gedanken und Abschweifungen liegen, die der Autor den Charakteren verpasst hat. So geht häufiger eine halbe Seite verloren, auf der nichts als wirre Gedanken zu finden sind.
Wirklich gut gemacht sind die vielen Wendungen, die meistens die Spannung steigen lassen. Allerdings geht dadurch stellenweise das Augenmerk auf das Ausgangsproblem verloren und wird nur noch am Rande behandelt. Auch wenn letztendlich die Handlungen zusammenlaufen, wurde ich ab und zu von den Erlebnissen zu vieler Charaktere abgelenkt und war mir nicht mehr sicher, wer gerade wo ist, warum er dort ist. Denn der Sprung zwischen den Handlungssträngen geschieht meistens geschickt, insgesamt aber wohl zu häufig. Trotz allem wird der Leser auf eine grandiose Schnitzeljagd mitgenommen, die wirklich faszinierend aufgebaut und durchdacht ist. Dabei hilft auch, dass die Story aus unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachtet wird. Etwas störend wirkte auf mich dabei nur, dass die Handlung zum Ende übertrieben und unwirklich wird.
Dazu kommt eine Verwirrtheit, die ich als Einsteiger in die Krimiserie zusätzlich mitbringe. Sicherlich konnte ich die Charaktere nicht direkt einordnen und viele Andeutungen und Anspielungen auf frühere Ereignisse sind an mir vorbeigegangen oder haben auf mich seltsam gewirkt. Trotzdem hat mir die Mischung aus Privatem, Serien- und Buchspezifischem gefallen, es stand dabei nicht nur die reine Aufklärung des Falls im Vordergrund. Für Leser der Serie wird es noch mitreissender sein. Dass allerdings alle Charaktere extreme Geheimnisse oder Lebensläufe haben wirkte auf mich übertrieben und ausgedacht.

Nichtsdestotrotz – die Bewertung ist einfach aufgrund der hohen Erwartungshaltung negativer ausgefallen, als es das Buch tatsächlich verdient hätte – ein spannendes Buch mit einer sehr modern aufgegriffenen Thematik. Äußerst spannende und vielseitige Charaktere und ein ausgezeichneter Schreibstil machen das Buch schon zu einem guten Krimi. Aber dass man als Leser vom Hocker gerissen wird, sollte man nicht erwarten.

Verfasst von Smazl am 21.02.2010.

 

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Bookreporter
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Buchinfos

Dunkelziffer

Piper


Dunkelziffer

Kriminalroman

Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt

432 Seiten (gebunden)
Piper Verlag

Erscheinungsdatum:
11.02.2010

ISBN: 9783492053501


Nutzerbewertung:
  • 4/5 Sterne.

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