Der Fall Neruda

von

Roman

Aus dem Spanischen von Carsten Regling

380 Seiten (gebunden)
Bloomsbury Berlin

Erscheinungsdatum: 27.02.2010

ISBN: 9783827008664

Rezension von

Verfasst am: 23.02.2010

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Politischer Umbruch und das Geheimnis einer großen Liebe.

Valparaiso im Sommer 1973. Die Stadt gleicht einem Hexenkessel. Noch herrscht Allende in Chile, doch die Gerüchte um einen Militärputsch wollen nicht verstummen. Sozialisten, Kommunisten und aufmüpfige Bürger suchen einen Ausweg aus der Lage.

Gerade zu dieser Zeit begegnet Gayetano Brulé dem alten und kranken Dichter Pablo Neruda auf einem Fest bei Freunden. Anschließend bittet Neruda den jungen Mann, für ihn nach Mexiko zu reisen, um einen Arzt zu suchen, der sich mit Kräutern und Heilmethoden gegen Krebs auskennt. Neruda hatte ihn aus den Augen verloren. Gayetano schließt daraus, dass Neruda Hilfe für die eigene Krebserkrankung sucht. Weit gefehlt aber bekommt er nur geheimnisvolle Aufträge, ohne das Ziel der Suche wirklich zu kennen.
Er macht sich auf eine Reise, die ihn außer nach Mexiko noch nach Kuba, in die DDR und nach Bolivien führt.
Abenteuerlich und spektakulär mutet die Reise an, in der Gayetano mit zahlreichen Menschen ins Gespräch kommt und Erfahrungen macht, von denen er zuvor keine Vorstellung hatte. Schließlich erfährt der Reisende, dass er eine ehemalige Geliebte des Dichters ausfindig machen soll!

Um den Plot einer Liebesaffäre Pablo Nerudas ist ein fiktiver Roman entstanden, der kriminalistische Ausmaße gewinnt. Die politischen Machtstrukturen in den unruhigen Regionen Südamerikas bieten den Handlungsstrang, der um die persönliche Geschichte Pablo Nerudas in seinen letzten Lebensjahren kreist. Chile und die kurze Zeit unter Allendes Führung mit dem anstehenden Militärputsch durch das Militär sind ebenso Teil der Erzählung, wie Mexiko mit seiner langen Kulturgeschichte und den prachtvollen Bauten und Bildnissen aus der Zeit der Azteken. In der DDR findet Gayetano ein strenges Regiment mit bedrängender Beaufsichtigung vor, und in Bolivien wird es erst recht mühsam mit der Suche nach der unbekannten Frau aus Nerudas Vergangenheit. Der Dichter ist krank, und die Zeit drängt, was zur Steigerung der Spannung beiträgt.

Roberto Ampuero hat einen gehaltvollen und mit kriminalistischen Spuren ausgestatteten Roman entworfen. Geschichte und politische Verhältnisse zu Zeiten Allendes und Pinochets in Chile bekommen Gestalt und Stimme, so dass man sich lebhaft in die Region hinein versetzt fühlt. Die vollen Strassen, das gesellige Treiben und die versteckte Angst vor dem, was kommen wird, machen sich an der Handlung der Figuren und anhand der politischen Vorkommnisse fest. Bunt und lebhaft ist das Treiben in den Strassen und Gassen, sind die verfallenen Häuser in Kuba und die farbige Vielfalt in Mexiko. Mit einer immer wieder kehrenden Geste erkennt man den Hauptdarsteller, der sich versonnen über den Schnurrbart streicht. Anklänge an Maigret in Frankreich sind unübersehbar, wenngleich hier ein Laie agiert, der nicht vertraut mit der Arbeit eines Detektivs ist. Brulé lernt ständig dazu und man beobachtet seinen Werdungsprozess, der ihn klüger und täglich vorsichtiger werden lässt.

Dieser Roman bietet eine Fülle von Anschauungsmaterial und ist dicht und aufregend konzipiert. Sprachschönheit ist gekoppelt an eine anspruchsvolle Handlung, die jeden Literaturfreund begeistern wird.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (1):

  • 5.0000/5 Sterne.

Leserbewertung (0):

  • Momentan 0/5 Sterne.

Ihre Bewertung:

  • Momentan 0/5 Sterne.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5