Verspielter Liebeszauber!
Louise de Vilmorin (1902 -1969) befleißigt sich in ihren Romanen, auch in dem bereits erschienen Roman „Liebesgeschichte“, der Beschreibung einer Vergangenheit, in der Frauen hübsch und kokett der Liebe in allen Schattierungen frönten und um Liebhaber buhlten.
Sie lässt in ihren Gesellschaftsromanen Erinnerungen aus den zwanziger und dreißiger Jahren an ihre eigene Gesellschaftsschicht einfließen.
Worum geht es?
Die 18 jährige Julietta, Tochter einer schönen und früh verwitweten Frau von vierzig Jahren, verliebt sich spielerisch in den fünfzigjährigen Hector Prinz von Alpen. Er ist gut aussehend, wohlhabend und fühlt sich zu dem jungen Mädchen hingezogen, das er am Mittelmeer kennen gelernt hat. Voller Tatendrang reist er zurück nach Paris, wo er sie treffen und sich mit ihr verloben will.
Als Julietta mit ihrer Mutter, Madame Valendor, auf der Rückreise von Bordeaux nach Paris einen jungen Anwalt kennenlernt, steigt sie mit ihm aus nichtigem Anlass auf einer Zwischenstation aus, immer auf der Suche nach einem Abenteuer. Die Aussicht auf die Ehe mit dem sehr viel älteren Prinz von Alpen ist ihr schnell lästig geworden, denn sie ist kindlich und unreif.
André Landrecourt bringt sie vermeintlich nur für eine Nacht auf seinem Landgut unter, nicht ahnend, was die junge Frau im Schilde führt. Es kommt zu Verwicklungen, kleinen Ungereimtheiten und man stellt fest, dass hier ein seltsames Gesellschaftsbild belustigt abgehandelt wird.
Louise de Vilmorin erzählt vom Liebesleid- und Freud und vom Gesellschaftsleben höherer Adelskreise. Ihr gepflegter Sprachstil mutet leicht altmodisch an, und auch die abgehandelten Liebeshändel scheinen einer versunkenen Welt anzugehören. Verwöhnte und selbstsüchtige Frauen, deren einziges Augenmerk auf die eigene Schönheit und die selbstverständliche Eroberung von reichen und gut aussehenden Männern ausgerichtet ist, und Männer, die sich in Fürsorge und Liebe für eben diese Frauen verzehren, folgen Spielregeln, die das Leben damals ihnen abverlangte. Welche Frau könnte sich heute in dieser Form alleine mit dem eigenen Selbst und dem Liebesleben befassen? Jedoch sind die beschriebenen Charaktere der beiden männlichen Protagonisten bemerkenswert in ihrer diskreten Vornehmheit und konventionellen Diktion. Selbst in den herzigsten und überschwänglich dargstellten Liebesszenen bleibt man beim „Sie“, wenn auch die äußeren Umstände auf eine größere Nähe schließen lassen. Zwei Paare spielen Verstecken, Suchen und Finden und alles endet gelassen und zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Das malerische Ambiente eines alten Landguts bietet den Rahmen für die kurzweilige Unterhaltung und das Verwirrspiel um die Betroffenen.
Die Erzählung ist durchaus unterhaltsam und von poetischer Feinheit in der Diktion, denn amüsant sind die kleinen menschlichen Tragödien und Lustspiele allemal! Sie spiegeln ein Leben in Frankreich wider, das vermutlich in bestimmten Kreisen in dieser Weise noch lange bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in Frankreich so gepflegt wurde.
Louise de Vilmorin selbst entsprach überhaupt nicht dem hier entworfenen Frauenbild, denn sie hat studiert, hatte Ehen und Lebensgefährten und war in ihren jungen Jahren mit dem Dichter Saint -Exupéry verlobt. Einer ihrer Lebensgefährten war der französischen Dichter, Abenteurer und Politiker André Malraux, der sie zum Schreiben ermutigte.
Patricia Klobusiczky hat den Roman kunstfertig ins Deutsche übertragen.
